Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Selbstmord: In diesen Berufen ist es wahrscheinlicher, dass Sie gefährdet sind

http://www.huffingtonpost.de/2015/03/20/selbstmord-risiko-beruf_n_6910622.html?utm_hp_ref=germany&icid=maing-grid7%7Cgermany%7Cdl1%7Csec1_lnk3%26pLid%3D338279

Ich denke Probleme gibt es überall,man muß nur mit Ihn umgehen können und ein soziales Umfeld haben,das einen auffängt.

Ich habe von Kindesbeinen an Stress gehabt mit meiner Schwester,die überall Ihre Finger drin hatte.Für mich ist es ein Karma was ich durchleben muss.

Die Tante hat so einiges angestellt um im Vordergrund zustehen,,Angst nicht mehr das zu bekommen was Sie vorher als einzel Kind hatte.

Ich habe auf viele Dinge verzichten müssen,bin trotzdem immer gradlinig geblieben.

Ich habe eins für mich klar gestellt,,andere können mein Leben nicht leben ,,,und ich lebe mein Leben.

Und mit Selbstmord meine Damen und Herren regeln Sie gar nichts,im Gegenteil man hinterlässt Menschen die damit nicht klar kommen.

Ich will jetzt nicht alles reinsetzen was mein Karmaprinzeschen so alles angestellt hat,bis heute,,Münchhausen würde vor Neid blass werden.

Mich hat es stark gemacht und ich bin tolle ganz viele Menschen begegnet über meinem Beruf den ich nur erlernt habe um mit vielen Dingen klar zukommen und um mich versorgen zu können .

Also nicht aufgeben sondern aufstehen und das Leben leben.

Es gibt immer Menschen die zu einen stehen und man ist nie alleine.

mit diesen Worten wünsche ich allen ein schönes Wochenende bzw.Sonntag
Und sollten Sie auch son Karmaprinzeschen an Ihrer Seite haben,,pellen Sie ein Ei drauf im nächsten Leben wird es besser.
Ghamila Carmen-Marina Franke geb.Sommerfeld

 

 

Ich erkläre jetzt mal wie wir uns programmieren unbewusst und automatisch immer und immer wieder im Kreis laufen.

Als kleines Kind habe ich mich aufgeregt wenn Karmaprinzeschen mich beiseite drücke,aus Angst zu kurz zukommen .Ich versuchte mir überall Hilfe zuholen,denn für mich war es Unrecht…..Damit hatte ich automatisch es noch mehr in mir manifestiert auch wie meine Eltern reagierten.Heute weiß ich sie konnten gar nicht anders,weil Sie es durch den Krieg ja selbst so erlebt haben,das immer nur der Stärkere überlebt.Sie wußten es nicht anders und Sie hatten auch Angst nachteile zubekommen.

Durch das ewige jammern und nachdenken ,,klonte ich unbewusst meine Schwester die ein ziemliches Problem mit meiner Stärke hatte.

Ich zog automatisch Menschen an,die Karmaprinzeschen ähnelten und auch Männer die sich nicht trauten zu mir zustehen.

Wort und Gedanken sind Energie,und damit kenne ich mich sehr gut aus.

Ich weiß das viele Menschen sowie die Wirtschaft Ängste ausstehen,das irgendwann ein Wandel geschieht. Im Moment Leben wir von Kummer,Krankheiten,Pech,Pannen und Pleiten der anderen.Wenn es aber viele Menschen verstehen,das man mit seinen Worten und Gedanken,,dies alles ausweichen kann,,,wird ein wandel geschehen.

Und ich glaube nicht das wir Nachteile haben,sondern neue Wege gehen und neue Berufe erfinden oder die alten Berufe wandeln.

Sollte jetzt da jemand sitzen und nachdenken über sein Leben,,,tun Sie es nicht,,,wandeln Sie Ihre Gedanken und es wird gut und wenn Mann oder Frau weggelaufen sind,,,,es muß nicht immer schlecht sein,,eine Zeit alleine zuleben…Ich genieste es allein zu sein obwohl mir meine Kinder schon sehr fehlen.Ich weiß aber das ich heute in meinem Bewusstsein nicht soweit währe wenn Sie bei mir geblieben wären.Ich hätte nicht die Zeit gehabt mich mit der Welt den Kriegen und Menschen zu beschäftigen.

Also nicht aufgeben,,wenn Sie oder du in meiner Nähe wohnst ,,meine Tür steht immer offen,damit meine ich keine Beratung sondern für Menschen die einfach nicht mehr weiter wissen…Es geht immer weiter..

Ghamila

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Angst den Mann oder Frau ,Beruf oder Stellung,Haus oder Wohnung,Heimat oder Land zu verlieren ,dann sollen wir mit der Nase auf etwas für uns Wichtiges gestoßen werden.Aus reiner Notwehr wählt unser Ich,unsere Seele diese drastische Sprache,weil wir die anderen zarten Töne nicht wahrgenommen haben.

Z.Beispiel in der Gesellschaft,,hier ein trauriges Beispiel und in Gedanken bin ich bei der Familie und Bekannten.

Von Schläger-Bande ins Koma getretenHeute lassen die Ärzte Daniel (25) sterben

Vergrößern Heute lassen die Ärzte Daniel (25) sterben

Daniel (25) hatte keine Chance gegen die Schläger. An dieser Haltestelle vor dem Bahnhof Kirchweyhe passierte der Überfall

Foto: Rainer Fromm, Privat

12.03.2013 – 23:51 Uhr

  • Von ASTRID SIEVERT

Kirchweyhe/Bremen – Daniel S. (25), der von einer Schlägerbande am Bahnhof Kirchweyhe ins Koma getreten wurde. Heute lassen die Bremer Ärzte den jungen Mann sterben, schalten die lebenserhaltenden Geräte ab.

Daniels Zwillingsbruder Christian (25) zu BILD: „Mama sitzt auf der Intensivstation an seinem Bett, bleibt bis zu seinem Tod bei ihm. Die Ärzte sagen, der Täter hat sein Gehirn völlig zerstört. Dabei wollte Daniel doch nur einen Streit schlichten.“

Staatsanwalt Lutz Gäbel über den Haupttäter: „Er soll Daniel S. so heftig in den Oberkörper getreten haben, dass dieser gegen einen Linienbus schleuderte und mit dem Kopf auf das Straßenpflaster aufschlug. Dann soll er noch weiter auf das bereits regungslos am Boden liegende Opfer eingetreten haben.“ Ein Richter erließ Haftbefehl.

Haupttäter Sihan A. (20) war der Polizei als Gewalttäter bekannt. So stach er unter anderem einen Freund nieder, weil dieser ihm keine Zigarette gab. Sechs weitere Täter kamen wieder auf freien Fuß.

Mehr aktuelle News aus Bremen und Umgebung lesen Sie hier auf bremen.bild.de.

Du bist ein Gott des Friedens

Gott, heute kommen wir zu dir, um deinen Namen zu loben. Wir danken dir für alles, was du für uns getan hast.

Wir loben dich, denn du bist ein Gott des Friedens.

Dein Sohn Jesus Christus hat uns seinen Frieden versprochen, der nicht von dieser Welt ist. Darum müssen wir uns nicht fürchten, auch wenn wir durch Gewalt anderer Menschen bedroht werden. Wir danken dir für deine Worte des Trostes.

Wir loben dich, denn du bist ein Gott des Friedens.

Guter Gott, wir bitten für unsere Heimat:




um Frieden im ganzen Land,



um Frieden in den Dörfern und Städten,



um Frieden in den Wohnungen und Häusern.

Wir loben dich, denn du bist ein Gott des Friedens.

Besonders bitten wir dich um Frieden in Ägypten: um Frieden zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften und zwischen allen Interessensgruppen. Aber wir bitten auch um Entwicklung und Fortschritt. Wir bitten um politische und soziale Stabilität und eine gut geführte Wirtschaft, damit es dem gesamten Volk gut geht.

Wir loben dich, denn du bist ein Gott des Friedens.

Wir beten auch für den Frieden im ganzen Nahen Osten, insbesondere in Palästina sowie für den Frieden zwischen den arabischen Staaten und Israel. Wir bitten aus ganzem Herzen, dass dieser Frieden ohne Krieg, ohne Hass und ohne Blutvergießen zustande kommt.

Wir loben dich, denn du bist ein Gott des Friedens.

Guter Gott, du bist unsere Hoffnung für Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit auf der ganzen Welt, für Frieden zwischen allen Völkern und Nationen. Lass die Welt spüren, dass dir Krieg und Gewalt ein Gräuel sind.

Denn du bist ein Gott des Friedens.

Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit.

Amen.

Pastor Samuel Rozfy Ibrahim
Übertragung der Vorlage durch Freddy Dutz und Georg Poddig

Kollektives Karma:

FDP für Einführung von Lohnuntergrenzen in allen Branchen

Berlin (dpa) – Die FDP vollzieht eine Kehrtwende beim Mindestlohn und fordert Lohnuntergrenzen für alle Branchen des Arbeitsmarktes.
Mindestlohn Auch die FDP fordert nun einen gesetzlichen Mindestlohn. © dpa / Stephanie Pilick

In dieser Legislaturperiode seien für weit über zwei Millionen Beschäftigte Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt und damit Mindestlöhne in diesen Branchen eingeführt worden, heißt es nach Informationen der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag) in einem Papier, das am Montag vom FDP-Präsidium beschlossen werden soll.

„Diesen Weg wollen wir im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft weitergehen und die Voraussetzungen für Lohnuntergrenzen in allen Branchen schaffen – im Einklang mit der Tarifautonomie.“ Einen einheitlichen, flächendeckenden Mindestlohn lehnt die FDP aber ebenso wie die Union weiterhin ab. Stattdessen soll die Höhe der Lohnuntergrenzen auch künftig Branche für Branche festgelegt werden, dezentral und differenziert.
Mindestlohn
Mindestlohn nimmt erste Hürde

Bundesrat stimmt auch für steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe. >

Die von SPD, Grünen und Linken regierten Länder hatten am Freitag im Bundesrat einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro beschlossen. Auch das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern, die beide von großen Koalitionen regiert werden, stimmten dafür. Dem Vorstoß werden trotzdem keine Chancen eingeräumt, weil die schwarz-gelbe Koalition die Forderung im Bundestag ablehnen will.

Auch DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sprach sich strikt dagegen aus. „Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn wäre Gift für unseren Arbeitsmarkt“, sagte Driftmann der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Vielen Geringqualifizierten würde damit der berufliche Einstieg erschwert. Außerdem müsse die Tarifautonomie geschützt werden. „Es wäre verkehrt, Löhne politisch festzulegen.“

Promotion

Der für Langzeitarbeitslose zuständige Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, sieht in einem Mindestlohn dagegen kein Hemmnis für Arbeitslose, einen Job zu finden. „Ich gehe nicht davon aus, dass ein Mindestlohn Arbeitslosen den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert“, sagte Alt der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Samstag). Es komme allerdings auf die Höhe der Lohnuntergrenze an. Er plädierte dafür, dass nicht der Staat, sondern wie in Großbritannien eine Kommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern den Mindestlohn festlegen solle.

weiter lesen: http://web.de/magazine/finanzen/wirtschaft/17190598-fdp-einfuehrung-lohnuntergrenzen-branchen.html#.A1000145

Von meiner Sicht ist es wichtig das uns allen bewusst wird,das jeden einzelnen nur gut geht,wenn es auch den anderen gut geht.

Kollektives Karma:
Wir müssen beachten, daß der Mensch kein isoliertes Wesen ist, sondern eingebettet in eine Gesamtheit mit all den daraus resultierenden geistigen Verbindungen. Etwa so wie eine Körperzelle in den Verband des Organismus eingebettet ist. Daraus resultieren unvermeidliche Abhängigkeiten. In allen Fällen trägt der Mensch eine Schuld mit und hilft anderen Schuld abzutragen. Es handelt sich demnach um übernommenes Karma auf mehr oder weniger (durch Unwissenheit) freiwilliger Basis. Letzlich trägt ein jeder Einzelne auch an dem Karma der gesammten Menschheit, und nachdem er an diese durch viele Geburten gebunden ist, wird es schon aus diesem Grund sein innerstes Anliegen sein, auf die Entwicklung der Menschen günstig einzuwirken, auch wenn dies nur in einem kleinen Rahmen stattfindet.

Schicksalsverpflichtungen:
Wenn sich jemand mit einem anderen in einer Lebensgemeinschaft bindet, so nimmt er eine Kette kausaler Zusammenhänge auf sich, die sein Schicksal entscheident verändern. Wir sprechen in diesem Fall von einer Schicksalsverflechtung, die natürlich auch ohne Heirat und auf die vielfältigste Art zustande kommen kann. Schon wenn zwei Menschen in einem Auto fahren, ist ihr Karma für die Dauer der Fahrt verbunden. Während der eine vielleicht einen Unfall herbeizieht, strahlt ihn der andere ab. Wir haben also eine Überlagerung von zwei Feldern vor uns. Wie viele Kräfte bei einer Schicksalsverflechtung, wie sie zum Beispiel die Ehe darstellt, ist erst recht nicht übersehbar. Nicht einmal die Ursache für die Begegnung ist für uns erkennbar.

Biologisches Grundkarma:
Darunter verstehen wir alle Schwirigkeiten und Nöte, die der Mensch durch seine Inkarnation in einem grobstofflichen Körper auf sich nimmt. Die Belastungen durch den physischen Körper sind nicht gering. Hilflos nach der Geburt ist der Mensch in seiner Jugend der Willkür seiner Eltern ausgesetzt, um dann nach seinem arbeitsreichen Leben ein gebrechliches Alter zu erwarten. Von der Warte eines Geistwesens ebenfalls belastend sind die biologischen Grundgegebenheiten wie Essen, Ausscheiden, Atmen und die träge Bewegungsmöglichkeit. Wir empfinden dies nicht mehr so, wir haben uns daran gewöhnt, aber für ein freies Geistwesen ist diese Daseinsart niedrig und beschwerlich. Welche Erlösung das Freiwerden aus körperlicher Gebundenheit bedeutet, ersehen wir aus den zahlreichen Berichten von Menschen, die kurz das Jenseits betreten durften. Ganz drastisch können wir das biologische Grundkarma bei den Tieren nachempfinden. In der Regel neigt der Mensch dazu, in der Existenz der Tiere, nur ein Liebreiz wahrzunehmen. Er sieht alles nur unter der Sonnenperspektive naturbelassener Sorglosigkeit. Wenn wir ihn aber fragen, ob er das Dasein eines Tieres führen möchte, so trifft ihn das fast wie ein Schock.

http://www.paranormal.de/selbstverwirklichung/Brine/paranormal12.htm

Wäre es jetzt nicht an der Zeit an unsere Lebensweise und Verhalten zu ändern

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/einschlag-in-russland-welche-gefahren-von-meteoriten-drohen-a-883696.html

Mit einem Meteoriteneinschlag wie in Russland hat kaum jemand gerechnet – dabei kreuzen Millionen kosmische Bomben die Erdbahn. Wie groß ist die Gefahr einer Kollision? Gibt es Einschläge in Deutschland? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Gefahr aus dem All.

Hamburg – Gleich zwei kosmische Vorfälle haben am Freitag weltweit für Aufsehen gesorgt: Die Region um die russische Millionenstadt Tscheljabinsk wurde von einem Meteoritenschauer getroffen; rund 1200 Menschen wurden nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti verletzt. Der Meteorit war Wissenschaftlern zufolge mit einem Tempo von 20 Kilometern pro Sekunde durch die Atmosphäre gerast und in einer Höhe von 30 bis 50 Kilometern explodiert.

Beobachtet von Astronomen auf der ganzen Welt passierte dann der Asteroid 2012 DA14 am Freitagabend die Erde. Um 20.24 Uhr deutscher Zeit hatte der Himmelskörper mit 27.800 Kilometern seinen erdnächsten Punkt erreicht und entfernte sich danach wieder. Damit war der Asteroid dichter an der Erde als viele Satelliten und weit näher dran als der Mond.

Zwei Meteoritenereignisse an einem Tag, so etwas hat Seltenheitswert – und weckt Ängste. Gibt es einen Zusammenhang? Warum wusste man von dem einen Brocken, wurde aber von dem anderen überrascht? Und wie groß ist das Risiko, dass ein noch größerer Flugkörper aus den Tiefen des Weltraums auf der Erde einschlägt? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen zu der kosmischen Naturgefahr.

1. Was ist in Russland geschehen?

In den Morgenstunden verglühte ein Meteorit über dem Ural. Die Nasa schätzt das Objekt auf 15 Meter Durchmesser und ein Gewicht von 7000 Tonnen – bevor es in die Erdatmosphäre eintrat. Die kosmische Bombe wurde von der Luft so stark gebremst, dass sie zu glühen begann – und schließlich zerplatzte. Ein Steinregen prasselte auf die Region um die Stadt Tscheljabinsk; die Druckwelle ließ Scheiben splittern und Dächer bersten – rund 1200 Menschen wurden verletzt.

Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall. Auf zahlreichen Amateuraufnahmen waren Anwohner zu sehen, die panisch auf die Schockwelle reagierten. Viele starrten aber auch in einer Mischung aus Faszination und Ratlosigkeit auf das Naturschauspiel.

2. Gibt es einen Zusammenhang zum Vorbeiflug von Asteroid 2012 DA14?

Ein paar Stunden nach dem Einschlag in Russland schrammte der Asteroid 2012 DA 14 an der Erde vorbei – so nah, dass er Satelliten hätte abschießen können. Kann das Zusammentreffen Zufall sein?

Eine Umfrage von SPIEGEL ONLINE unter Experten kurz nach dem Ereignis in Russland hatte ergeben, dass die meisten einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen sahen. Doch dann kam heraus, dass die Bahnen der zwei Geschosse wohl so unterschiedlich sind, dass sie kaum miteinander durchs All gereist sein können.

Gleichwohl bedürfe es genauerer Analysen, betont die Europäische Raumfahrtagentur Esa. Denn klar ist auch: Meteoriten kommen selten allein.

3. Wie häufig stürzen Meteoriten auf die Erde?

Jeden Tag prasseln Abermillionen Staub- und Steinpartikel mit einem geschätzten Gesamtgewicht von rund hundert Tonnen aus dem All auf den Planeten. Manche verglühen als Sternschnuppen, etwa 25 größere Klumpen fallen täglich auf die Erde. Die meisten gehen in unbewohntem Gebiet nieder. Nur selten beobachten Menschen die Treffer.

Hintergrund

Corbis
Meteoroid, Meteor, Meteorit, Bolid: Was unterscheidet die Geschosse aus dem All?

Manche Astronomen glauben, dass die Gefahr von Meteoriteneinschlägen im Laufe der vergangenen Jahrzehntausende zugenommen hat. Die Erde rase durch eine kosmische Schießbude, warnte unlängst Nasa-Experte David Morrison.

4. Wie viele gefährliche Meteoriden gibt es?

Sicher ist, es sind viele. Könnte man sie per Knopfdruck leuchten lassen, würde fast das gesamte Firmament blinken. Die Anzahl jener „erdnahen Meteoriden“, die irgendwann die Bahn der Erde kreuzen könnten, errechnen Wissenschaftler auf ähnliche Weise wie Umfragen vor einer Bundestagswahl: Sie nehmen repräsentative Stichproben und schließen auf die Gesamtmenge.

Regionen im Sonnensystem werden mit Teleskopen gründlich durchforstet. Größere Objekte erkennen Astronomen recht schnell. Kleinere Geschosse fallen indes nur auf, wenn sie in der Nähe der Erde auftauchen.

Mehr als tausend Meteoriden, die mehr als einen Kilometer dick sind, kreisen den Schätzungen zufolge auf potentiell gefährlichen Bahnen. Ein Einschlag dieser Riesen hätte verheerende Folgen für unsere Umwelt und würde die Erde für immer verändern – es wäre die größtmögliche Katastrophe.

Dabei gilt: Je kleiner Meteoriden sind, desto häufiger sind sie. Halbe Größe bedeutet zehnfache Häufigkeit, lautet die Formel. So könnten etwa 100.000 Geschosse von 250 Metern Durchmesser und zehn Millionen 50-Meter-Brocken die Bahn unseres Planeten kreuzen, berechnen Astronomen. Schon ein Klumpen von 50 Meter Dicke könnte allerdings eine Millionenstadt zerstören. Forscher grübeln daher über Abwehrmaßnahmen.

5. Wie groß ist das Risiko, von Meteoriten getroffen zu werden?

Alle Gebiete auf der Erde tragen dasselbe Risiko, getroffen zu werden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man von einem Objekt aus dem All getroffen wird, ist aber sehr gering“, sagt Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Doch wenn „Gottes Hammer“ fällt, kann es auf einen Schlag sehr viele treffen. Eine Katastrophe wie am 30. Juni 1908 am sibirischen Fluss Tunguska, als wohl ein Dutzende Meter großer kosmischer Brocken in der Luft explodierte, wiederholt sich im Durchschnitt alle paar Jahrhunderte, berichtet Mario Trieloff, Meteoritenforscher an der Universität Heidelberg. Damals knickte die Schockwelle in Sibirien sämtliche Bäume auf einer Fläche von der Größe des Saarlands um; Feuersbrünste erleuchteten den Nachthimmel. Hätte der Bolide einen ganz leicht anderen Kurs gehabt, er hätte möglicherweise eine Großstadt verwüstet.

Etwa alle 100 Millionen Jahre prallt ein Riesenfels von zehn Kilometer Größe oder mehr auf die Erde, der eine weltweite Katastrophe auslösen würde, sagt Mario Trieloff. Vor 65 Millionen Jahre löschte solch ein Koloss die Dinosaurier und mit ihnen drei Viertel aller Lebewesen aus. Allerdings gibt es keinen festen Rhythmus: Die Pausen zwischen den Katastrophen können länger, aber auch kürzer sein.

6. Gibt es Einschläge in Deutschland?

Ein hundert Meter großer Meteorit und sein kleinerer Begleiter schufen vor 15 Millionen Jahren den 24 Kilometer breiten Krater Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken – zwei Krater in Süddeutschland. Hätte sich der tausend Meter dicke Steinbrocken verspätet und würde heute einschlagen, wären die Folgen schlimmer als nach einem Atomkrieg.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder kleinere Vorfälle: Am 6. April 2002 hinterließ ein Stein aus dem All eine Leuchtspur über Süddeutschland. Der sogenannte „Neuschwanstein-Meteorit“ zerplatzte in 22 Kilometern Höhe, seine Trümmer fielen bei Füssen zu Boden. Am 25. November 2004 raste ein wasserballgroßer Meteorit auf das Ruhrgebiet zu. Glücklicherweise verglühte er als farbenreiche Feuerkugel kurz bevor er aufschlagen konnte. Im August 2009 stürzte eine Feuerkugel in die Ostsee.

7. Warum wurde Russland von dem Meteoriten überrascht?

Die meisten Meteoriden bleiben unentdeckt – sie kommen ohne Vorwarnung. Die systematische Suche nach gefährlichen Objekten, deren Umlaufbahn in die Nähe der Erde führt, hat erst vor 15 Jahren begonnen. Bis jetzt haben Astronomen gerade mal gut 9000 Meteoriden entdeckt, die irgendwann unsere Bahn kreuzen könnten. Gemessen an der Gesamtzahl der potentiell gefährlichen Objekte von vielen Million ist das keine hohe Erfolgsquote.

Lediglich drei bis fünf Teleskope überwachen systematisch den Himmel. Jeder der Späher jedoch prüft jeweils nur einen winzigen Ausschnitt des Firmaments, sie finden etwa einen weiteren erdnahen Meteoriden pro Tag. Alle halbe Stunde werden Aufnahmen des selben Gebietes gefertigt, die Suche übernehmen inzwischen meist Computer.

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Außerhalb der Untersuchungsgebiete gehen den Spähern die meisten Meteoriden durch die Lappen: 2002 etwa schrammte ein 100 Meter großer Fels in nur einem Drittel Mond-Abstand an der Erde vorbei. Er wurde erst entdeckt, als er sich wieder entfernte.

Selbst nach der Entdeckung eines Meteoriden Jahre im Voraus unterliegen die Prognosen einem immensem Problem: Die Bahn des Geschosses muss längere Zeit beobachtet werden, um ihren Verlauf präzise vorhersagen zu können. Je weniger Beobachtungen des Meteoriten es gibt, desto mehr mögliche Bahnen sind mit den Daten vereinbar.

2008 immerhin wurde ein vier Meter dicker Brocken entdeckt, 20 Stunden bevor er in der sudanesischen Wildnis aufschlug. Ob man die Evakuierung von Städten angeordnet hätte, wenn der Brocken Kurs auf besiedeltes Gebiet genommen hätte? Vermutlich nicht – denn eine exakte Vorhersage des Aufprallgebietes ist erst kurz vorher möglich.

Was schleppen Kriegskinder Ihr ganzes Leben an Ängste und Traumas mit sich rum

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NS-Zeit – Sie sind in den Aufbaujahren der Bundesrepublik zur Welt gekommen und kennen den Krieg nur aus den Erzählungen ihrer Eltern: Die Kinder der Kriegskinder. Doch sie erben von ihren Eltern nicht nur den hart erarbeiteten Wohlstand. Die Traumata des Krieges setzen sich fort in den Nachkriegsgenerationen und erzeugen noch bei den heute 40- bis 55-Jährigen Ängste und Gefühle der Einsamkeit und Entwurzelung. Die Psychotherapeutin und Autorin Bettina Alberti ist den Spuren der Kriegs-Traumata in zahlreichen Biografien nachgegangen. „Unsere Eltern räumten die Trümmer der zerstörten Häuser mit den Händen weg – wir, die nächste Generation, sind mit dem Aufräumen der seelischen Trümmer beschäftigt“, so beschreibt eine Frau die unbewältigten Folgen des Krieges.
Die Fragen stellte Kathrin Althans

Man kann sich vorstellen, dass Menschen, die die Schrecken des Krieges, wie die Bombardierung Dresdens, unmittelbar erlebt und überlebt haben, für den Rest ihres Lebens davon geprägt sind. Sie erleben als Psychotherapeutin, dass auch die Kinder dieser Generation Ängste und Verletzungen in sich tragen, die von den Erfahrungen ihrer Eltern her rühren. Wie äußern sich diese Kriegswunden in den Nachkriegsgenerationen?

Bettina Alberti: Die Kinder der Kriegsgeneration, die in den 50er-, 60er-Jahren Geborenen, sind oft auf einer ganz subtilen emotionalen Ebene mit den Reaktionen ihrer Eltern konfrontiert gewesen. Viele Menschen haben mir berichtet, wie sehr sie von Ängsten belastet waren, die die Eltern ausstrahlten. Oder dass sie überschwemmt wurden von Kriegserzählungen der Eltern, weil diese ein großes Bedürfnis hatten, immer wieder zu erzählen, um sich zu entlasten.

Da gibt es also unterschiedliche Reaktionsmuster bei der Generation der unmittelbar vom Krieg Betroffenen?

Alberti: Ja, es gibt einerseits den Mechanismus des Rückzugs bei traumatischen Erfahrungen, dass Menschen sich verschließen und innerlich erstarren. Ein anderer, ebenso belastender Versuch der Verarbeitung ist, sehr viel davon zu sprechen. Das ist eine Suche nach Halt bei anderen Menschen. Wenn das die Kinder betrifft, sind diese natürlich überfordert, weil sie einen solchen Halt nicht geben können.

Und wie setzt sich das dann fort durch die Generationen?

Alberti: Menschen suchen Wege, um traumatische Erfahrungen handhaben zu können. Das nennen wir in der Psychotherapie Trauma-kompensatorische Muster. Diese Verhaltensmuster wirken auf die Angehörigen, die Menschen, die in unmittelbarer Bindung miteinander stehen. So erlebt ein Kind beispielsweise die seelische Verschlossenheit der Mutter, ihre Angst, ihren Schrecken, oder aber gewalttätige Entgleisungen des Vaters – das heißt, es wird sekundär traumatisiert. Nicht unmittelbar durch den Krieg, wie die Mutter oder der Vater, aber durch deren Reaktionen, die unmittelbar zusammenhängen mit den elterlichen traumatischen Erfahrungen. So muss auch das Kind selbst wieder Bewältigungsmuster entwickeln, um die eigene Überforderung zu kompensieren. Es entsteht eine Art transgenerationale Kette von Trauma-kompensatorischen Wegen. Die Folgen zeigen sich in innerer Einsamkeit, Ängsten, mangelndem Selbstbewusstsein, in selbstauferlegtem Leistungsdruck oder Entwurzelung.
Innerfamiliäre Kriege

Und dabei wird gar nichts wirklich verarbeitet – und die Traumatisierung bleibt bestehen?

Alberti: Weiterentwicklung ist möglich – zum Glück! – wenn die realen Bedrohungssituationen aufhören. Die nächste Generation hat ja dann keinen realen Krieg mehr erlebt. Aber sie hat innerfamiliäre Kriege, nicht integrierte Schattenseiten und Kompensationsmuster erlebt und zum Teil fortgesetzt.

Dieses Phänomen rückt in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Öffentlichkeit – weil die Betroffenen diese Belastungen jetzt erst wahrnehmen, oder woran liegt das?

Alberti: Ich glaube das liegt auch daran, dass sich die Schuldthematik inzwischen weiterentwickelt hat, dass die kollektive Schuld in Frage gestellt werden kann. Das führt dazu, dass Trauer, Schmerz und konkrete Erfahrungen benannt werden können – auch in der Generation der jetzt alten Menschen. Es ist verständlich, dass es die kollektive Schuldzuweisung gab. Sie ist Ausdruck des Zorns, der Trauer und des Schmerzes über die unglaubliche Gewalt und die Verbrechen, die geschehen sind. Aber es gibt eine Weiterentwicklung, und das ist auch gut so.

Jenseits der Grundannahme, dass alle Deutschen nach wie vor diese Schuld und diesen Makel tragen?

Alberti: Ja, ich glaube, das hat sich verändert. In dem Maße, wie das Kriegsgeschehen langsam verarbeitet wurde, können sich die Menschen auch wieder öffnen. Es steht nicht mehr der kollektive Aspekt so im Vordergrund, dass die Deutschen – es gibt da den Begriff des Tätervolkes – für immer ein Tätervolk bleiben aufgrund der Verbrechen im Nationalsozialismus. Allerdings richte ich in meinem Buch den Blick vor allem auf die Kriegskindergeneration und ihre Nachkommen, das sind nicht die nationalsozialistischen Täter – und das ist wichtig zu unterscheiden.

Ich glaube, es gibt mittlerweile eine Differenzierung im Bewusstsein und im Denken. Das Thema war vorher durch die Massivität des Schreckens und der Zerstörung und durch die real bestehende und kollektiv zugewiesene Täterschaft blockiert. Das wirkte wie ein Riegel, der Riegel der Schuld, der sich jetzt lockert. Er hat verhindert, über eigene Trauer und eigenen Zorn sprechen zu können. Denn wer schuldig ist, so heißt es, hat kein Recht zu klagen. Das ist der Riegel. –
Täter und Opfer

Wie kann man dann den Blick so auf die einzelnen Schicksale der Familien richten, ohne diese anderen Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft zu relativieren?

Alberti: Es geht eben nicht um Relativieren, das sollte gar nicht die Frage sein. Sondern darum zu benennen, wie es ist, wie die Familien es erlebten, alle Aspekte: Täterschaft, Trauer, Verluste, Verfolgung. Bei einigen der Interviews in meinem Buch ging es um Familien mit jüdischen Vorfahren auf der einen Seite und nationalsozialistischen Tätern auf der anderen Seite der Großelterngeneration. Das heißt, die in den 50er- und 6oer-Jahren geborenen Nachkommen hatten in ihrer Familienbiografie beides, sowohl die Not und die Schrecken der Verfolgung, als auch die Täterschaft. Dieses Wissen bewirkt auch bei den Nachkommen ein hohes inneres Spannungsfeld, weil sie sich mit beiden Seiten in irgendeiner Weise identifizieren.

Wie gehen die Betroffenen dann damit um?

Eine heute 50-jährige Frau zum Beispiel hatte erst mit 14 Jahren erfahren, dass ihr Vater aus einer jüdischen Familie kam, die Mutter hatte nationalsozialistisch orientierte Eltern. Die sagt: „Ich gehöre bezüglich der Vergangenheit meiner Familie nicht nur zur Täterseite, ich gehöre auch zur Opferseite. Als Jugendliche dachte ich: Ich brauche mich nicht nur zu schämen für meine Vergangenheit, und das entlastete mich.“ Es hat natürlich etwas Absurdes, wenn man bedenkt, dass die Opferseite massive Schrecken und Vernichtungserfahrungen bedeutet …

… dass das was Entlastendes sein soll …

Alberti: Ja, aber es ist verständlich, weil sie sich mit dem Schrecken identifizieren kann und dadurch die Schuldseite der Familie in ihrem Erleben geringer wird – da kann man sehen, wie schwer die in ihr wiegt. Aber das kann natürlich der Weg nicht sein; der Weg ist, einen Raum zu finden, um beide Seiten in Ruhe anschauen zu können, zu fühlen und zu realisieren, was in der Familie eigentlich passiert ist.
Kein Handel mit Schicksalen

Das hat sonst fast was von einem Ablasshandel, zu sagen: Ich habe ja auch ein Leben geopfert oder verloren, da kann mich ja die Strafe für anderes nicht so hart treffen.

Alberti: Aber genau das geht nicht, wir können keinen Handel treiben mit diesen Themen, mit den Schicksalen anderer Menschen. Aber es ist interessant, dass diese Frau es als Jugendliche so empfunden hat und sich selber so sieht: „Ich gehöre zur Täterseite und zur Opferseite“ – und sie ist 1960 geboren!

Nun gibt es ja durchaus Kinder von Kriegskindern, Angehörige dieser Generation, die scheinbar ganz unbelastet durchs Leben gehen. Sind das die Ausnahmen, die robust reagieren, oder haben die das dann besonders tief verdrängt?

Alberti: Das kann beides sein: Entweder jemand verdrängt die Familienbiografie stark, weil sie zu schmerzlich ist und möchte nicht daran rühren. Derjenige geht sozusagen innerlich darüber hinweg – mit Recht, das finde ich wichtig zu betonen, denn traumatische Erfahrungen können uns wirklich wie zu einem seelischen Sterben bringen. Oder aber die Menschen haben gute Ressourcen, diese Belastungen tragen zu können. Diese sogenannten Resilienzfaktoren – was Menschen mitbekommen haben und entwickeln konnten an guten Kräften und Schutzfaktoren – sind sehr unterschiedlich.

Was unterscheidet diese sehr schmerzhaften, einschneidenden Erfahrungen der unmittelbar vom Krieg Betroffenen oder ihrer Nachfahren denn von anderen Schicksalsschlägen? Ist das ein qualitativer Unterschied, oder kann man sagen, da sind einfach ganz besonders viele traumatische Erfahrungen gemacht worden in dieser Zeit?

Alberti: Kriegserfahrungen sind eine der schlimmsten Formen psychischer Traumatisierung überhaupt, die Menschen erleben – und auch selber herstellen. Krieg ist ein sogenanntes „man made desaster“, eine von Menschenhand gemachte Katastrophe, anders als ein Tsunami oder ein Verkehrsunfall. Das ist ein großer Unterschied.

Der zweite Punkt betrifft die Dauer und das Ausmaß, beispielsweise beim Zweiten Weltkrieg: Die Erfahrungen von Bedrohung, Gewalt, Not und möglichen oder realen Verlusten gingen über Jahre. Das ist anders als bei einem punktuellen Schicksalsschlag – ohne jetzt eine solche Erfahrung in ihrem Leid abschwächen zu wollen. Krieg dauert an. Er erzeugt permanente Angst, die vor allem für Kinder schwer zu handhaben ist. Zudem erleben Kinder auch noch die Ängste der Erwachsenen, ihrer Bezugspersonen. Das ist schwer zu verarbeiten, weil es chronisch überfordert.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass der Zweite Weltkrieg in der Bevölkerung bejaht wurde, er wurde von der herrschenden Führung initiiert, gewollt und propagiert. Dadurch befanden sich die Menschen in einem kollektiven Geschehen, in dem andere Seiten nicht benannt werden konnten.
Die Einsamkeit durchbrechen, den Raum öffnen

Dann kann man gar nicht nur Opfer sein …

Alberti: Ja, in diesem Sinne kann man und darf man gar nicht Opfer sein. Zudem gerieten Menschen politisch in Gefahr, wenn sie das benannten, das durfte nicht sein. Wenn ein Mensch heute einen Schicksalsschlag erleidet, dann darf er hadern, weinen und klagen, dann darf er Trost suchen und bekommen. Dies ist in einem gewollten Krieg, einem Angriffskrieg, nicht möglich, anders als in den Ländern, die angegriffen wurden.

Eine letzte Frage ist natürlich der Ausblick: Wie können wir als Erben dieser Kriegstraumata etwas davon abtragen, damit dieser Krieg in den Seelen und in den Familien irgendwann befriedet werden kann?

Alberti: Es ist erst einmal wichtig, überhaupt einen seelisch-geistigen Raum dafür zu öffnen, um die Erfahrungen der Familien, der einzelnen Menschen, benennen zu können. In einen Dialog zu treten mit der Generation der jetzt alten Menschen, der ehemaligen Kriegskinder und deren Nachkommen, die vieles wissen und fühlen aus ihrer Familienbiografie. Ich habe es oft erlebt in Gesprächen mit diesen in den 50er-, 60er-Jahren Geborenen: Es gibt sehr viel Angst vor der Familiengeschichte, sowohl vor den Täteranteilen, aber auch vor der Not und dem Schrecken.

Vor kurzem schrieb mir ein 1958 geborener Mann. Er hatte nach dem Lesen meines Buches das Gefühl, dass innere Einsamkeit ein großes Thema sei in dieser seiner Generation und das Wissen darum helfe ihm jetzt: „Dadurch, dass ich weiß, die anderen sind genauso einsam wie ich, bin ich nicht mehr so einsam.“ Das war ein sehr schöner Satz, er hat mich sehr berührt. Das ist, glaube ich, ein Weg, den seelischen Raum wieder zu öffnen: In wirklichen Austausch mit anderen zu gehen, die eigenen Wahrheiten auszusprechen. Wieder fühlen zu dürfen, zu trauern und weinen zu können über das eigene familiäre und das gemeinsame seelische Erbe unserer Generation, über unsere seelischen Trümmer.

Zum Weiterlesen:
Bettina Alberti, Seelische Trümmer. Geboren in den 50er- und 60er-Jahren: Die Nachkriegsgeneration im Schatten des Kriegstraumas, Kösel-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-466-30866-8.

Bettina Alberti, geboren 1960, ist als Psychologische Psychotherapeutin tätig in eigener Praxis. Die Bedeutung von psychischer Traumatisierung für die seelische Entwicklung und die Bindungs- und Beziehungsfähigkeit ist seit vielen Jahren ihr fachlicher Schwerpunkt.

In Dresden erinnern mehrere tausend Menschen an die Bombardierung der Stadt vor 68 Jahren und setzen ein klares Signal gegen Rechts. In der Altstadt bildeten am frühen Abend nach Angaben der Stadt über 10.000 Bürger eine Menschenkette.

Weiße Rosen, Kränze und Kerzen: Dresden hat am Mittwoch der Opfer der alliierten Bombenangriffe und der Zerstörung vor 68 Jahren gedacht – mit deutlicher Ablehnung des Rechtsextremismus. Ausdrücklich wurde daran erinnert, dass das millionenfache Leid im Zweiten Weltkrieg seinen Ursprung in Nazi-Deutschland hatte. Bürger und Angehörige besuchten die verschneiten Gräber der Toten vom 13. und 14. Februar 1945, legten Blumen und Kränze ab.

Rund 3500 Polizisten aus ganz Deutschland sollen Zusammenstöße rechter und linker Demonstranten verhindern. Das Bündnis „Dresden Nazifrei“ hat den Protest zum sogenannten Trauermarsch von Rechtsextremisten initiiert und unter dem Slogan „Nicht lange fackeln – Nazis blockieren“ zur Blockade aufgerufen.

Pfarrer Holger Treutmann mahnte in der Frauenkirche zu friedlichem Protest. „Wir gehen offen auf Fremde zu und treten denen entgegen, die die Geschichte für ihre Ideologie fälschen wollen“, sagte er. Auf Tischen vor dem Gotteshaus brannten zwischen weißen Rosen zahlreiche Grablichter, im Innenraum Kerzen an dem aus den Trümmern geborgenen Strahlenkreuz. Seit dem Wiederaufbau mit Hilfe von Spenden aus aller Welt gilt die 1945 zerstörte Frauenkirche als Symbol für Versöhnung.
Dresden setzt Zeichen gegen Rechts
Bildergalerie (8 Bilder)

Einen unerwartet großen Zulauf hatte der „Mahngang Täterspuren“. Insgesamt reihten sich rund 3000 Menschen ein, vor allem junge Leute. Ganz vorn ging die Bundeschefin der Linken, Katja Kipping, mit. „Es ist wichtig, an so einem Tag auch an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern“, sagte sie. Nach Ansicht der Organisatoren lässt sich der Mythos von der „unschuldigen Stadt“ nicht aufrechterhalten. Tatsächlich war Dresden damals nicht nur eine Hochburg der Nazis, sondern auch ein wichtiger Standort der Rüstungsindustrie und ein Eisenbahnknotenpunkt.

Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sowie Vertreter der Kirchen legten Kränze auf dem Heidefriedhof nieder. Auf dem Areal am Rande der Stadt ruhen viele der bis zu 25 000 Opfer der Bombennacht. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) erinnerte in ihrer Ansprache an das Schicksal anderer Städte von Hamburg über Coventry bis Hiroshima. Das Erinnern müsse wachgehalten werden, „weil wir Versöhnung brauchen und wollen“.

An den Gräbern der Toten versprach Orosz, dass Rechtsextremisten auch diesmal keine Chance bekämen, „Dresden zu ihrem Symbol zu machen“. Gegen Abend bildeten nach Veranstalterangaben 10.000 Dresdner eine Menschenkette unter Glockengeläut der Kirchen. Damit wollen die Dresdner gegen den Missbrauch des Erinnerns durch Rechtsextreme demonstrieren.(dpa)

Auslandseinsätze der Bundeswehr sind in Deutschland nicht populär, das Beschlussverfahren im Bundestag aufwendig und vor allem öffentlich. Der Verkauf von Rüstungsgütern hingegen lässt sich gut im Hinterzimmer erledigen.
Deutsche Waffenpolitik
Technik statt Truppen?
Generell möchte sich die Bundesregierung am liebsten aus militärischen Einsätzen heraushalten. Das kommt aber bündnispolitisch nicht gut an – siehe Libyen. Da liegt die Versuchung nahe, Technik statt Truppen zu exportieren.
Der Leopard-Panzer ist Inbegriff für Kriegsgerät „made in Germany“. Im Ausland begehrt wie deutsche Mittelklassewagen oder Schokolade. Auch Saudi-Arabien möchte ihn haben – und soll ihn auch bekommen, findet die Regierungskoalition.

„Verantwortungsbewusste Rüstungsexportpolitik sollten wir anerkennen“, verteidigt Unionspolitiker Ulrich Lange die Position der Bundesregierung. Auch die wehrtechnische Industrie sei ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor in Deutschland. „Wenn man, so wie wir, verantwortungsbewusst damit umgeht“, betont er.

Waffenexport: Reden Sie mit!
© dpa
Deutsche Patrouillenboote für Saudi-Arabien! Die Diskussion um Rüstungsexporte hat in dieser Woche für Wirbel gesorgt. Braucht die Waffenausfuhr mehr Transparenz? Diskutieren Sie direkt nach der Sendung hier im makro-Blog mit Dr. Hilmar Linnenkamp, Rüstungsexperte und Berater der Stiftung Wissenschaft und Politik.
weiter …

Doch Kritiker sehen die Gefahr, dass die Saudis Panzer gegen die zivile Bevölkerung einsetzen könnten. Bei demokratischen Protesten im Nachbarland Bahrein griffen die Saudis jedenfalls hart durch. In der deutschen Rüstungsexportrichtlinie steht: Kein Export in Länder, in denen es Verletzungen von Menschenrechten gibt. Was auf Saudi-Arabien zutrifft, meint die Grüne-Bundestagsabgeordnete Katja Keul.

Dehnbare Richtlinie
„Das Problem mit der Richtlinie ist, dass sie kein Gesetz ist“, so Keul, „sondern nur eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung, von der jede Bundesregierung behauptet, auch die jetzige, sie würde sich dran halten. Und das ist das, was man an dem Vorgang Kampfpanzer für Saudi-Arabien widerlegen kann: Denn die Richtlinie sagt klar, Kriegswaffen außerhalb von EU und NATO grundsätzlich nicht, nur im Ausnahmefall, wenn besondere sicherheitspolitische Interessen das erfordern.“

Verfolgt die Bundesregierung hingegen vorrangig die Interessen der Wirtschaft und weicht deshalb die restriktiven Exportbestimmungen auf? Oder nutzt sie die Lage vielleicht für ein ganz anderes Kalkül? Nämlich dass man lieber Waffen statt Soldaten hinaus in die Welt schickt? Um die deutsche Zurückhaltung bei Auslandseinsätzen zu kompensieren?

„Die Kanzlerin hat so was angedeutet, in dem sie gesagt hat, wir wollen unsere strategischen Partner ertüchtigen“, sagt Grünen-Abgeordnete Keul. „Da muss man natürlich fragen, was heißt ‚ertüchtigen‘ und wer sind unsere strategischen Partner?“

Streit um die Drohne
Kampfeinsätze deutscher Soldaten, wie in Afghanistan, sind unpopulär. Immer wieder enden sie tödlich. Da hat die Idee „Technik statt Truppen“ ihren Reiz. Was auch an der aktuellen Debatte um die Frage, ob Deutschland unbemannte Drohnen produzieren, und vielleicht auch exportieren sollte, mitspielten dürfte.

Bei dieser Zukunftstechnologie müsse Deutschland dabei sein, findet Verteidigungsminister Thomas de Maizière: „Wir können nicht sagen, wir bleiben bei der Postkutsche, während alle anderen die Eisenbahn entwickeln. Das geht nicht.“

„Bei den Drohnen kommt hinzu, dass ihr Einsatzszenario völlig unklar ist“, findet Katja Keul. „Vor allem, wenn es um die Bundeswehr geht.“ Ihre Kritik an Drohneneinsätzen ist generell: Man müsse einfach zur Kenntnis nehmen, dass bewaffnete Drohnen zu 99 Prozent in ganz klar völkerrechtswidriger Weise eingesetzt werden.

Merkels Waffenpolitik steht im Kreuzfeuer. Schließlich geht es nicht nur um Macht und Milliarden, sondern auch um Moral.

Zitate
Wer andre Wesen quält, die auch nach Wohlsein streben, so wie er selbst, der hat kein Glück im nächsten Leben.
Wer andre Wesen schont, die auch nach Wohlsein streben, so wie er selbst, der findet Glück im nächsten Leben.

Dhammapada, 3. Jahrhundert v. Chr.

Nicht findet man der Taten „Täter“, kein „Wesen“, das die Wirkung trifft. Nur leere Dinge ziehen vorüber: Wer so erkennt, hat rechten Blick. Und während so die Tat und Wirkung im Gange sind, wurzelbedingt, kann, wie beim Samen und beim Baume, man keinen Anfang je erspähen.

(Vis. XIX) Culakammavibhanga Sutta.

Sin wir nicht alle durch die Vergangenheit unserer Eltern und Großeletrn auf der Flucht

http://www.berliner-zeitung.de/politik/fluechtlinge-in-tunesien-keine-zuflucht–nirgends,10808018,21794164.html

Keine Zuflucht, nirgends
Von Dietmar Telser
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Chukunu Emaka (Mitte) mit seiner Frau und einem Freund vor seinem Zelt .
Chukunu Emaka (Mitte) mit seiner Frau und einem Freund vor seinem Zelt .
Foto: Dietmar Telser
Tunis –

Über 1000 Vertriebene aus Libyen sitzen in einem Camp in Tunesien fest. Niemand will sie. Aber das Lager soll bald aufgelöst werden.

Eine einzelne Wolke treibt am Himmel über dem Zeltlager. Für Ike Emmanuel Chukunu Emaka verbirgt sich dahinter Gott. Er ist der Einzige, von dem er noch Hilfe erwartet. Der Nigerianer ist 37 Jahre alt, hat einen kräftigen Oberkörper, über den sich ein ausgeblichenes gelbes T-Shirt spannt. Seit knapp zwei Jahren lebt er im Flüchtlingslager Shousha im Süden Tunesiens, an einer Straße, die zur nahen Grenze nach Libyen führt. Im Verlauf des libyschen Bürgerkrieges, der im Februar 2011 begann, strandeten hier mehrere Hunderttausend Menschen. Zwei Jahre danach leben hier noch immer über 1 000 Menschen. Im Juni soll das Camp nun aufgelöst werden.

Auch Ike Emmanuel Chukunu Emaka hatte sich im März 2011 vor den Kämpfen zwischen den Rebellen und den Regierungstruppen hierher geflüchtet. Bis dahin hatten er und viele andere Afrikaner in Libyen gearbeitet und dort die Jobs gemacht, die kein Libyer machen wollte. Angesehen waren sie nie. Im Bürgerkrieg aber wurden sie von den Rebellen sogar gejagt: Libyens Machthaber Gaddafi hatte Afrikaner als Söldner eingesetzt und viele Einwanderer mit dunkler Haut gerieten unter Generalverdacht.
Massive Probleme

Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi pflegte bis zu seinem Sturz besonders gute Beziehungen zu Potentaten afrikanischer Länder. Er unterstützte sie mit Geld und holte afrikanische Arbeiter ins Land, die vor allem in libyschen Erdölanlagen beschäftigt wurden. Die Libyer schauten auf sie herab.

Während des Bürgerkrieges in Libyen dankten die Afrikaner es Gaddafi, indem sie für ihn kämpften. Die Rebellen machten deshalb Jagd auf alle Menschen mit dunkler Hautfarbe: Auch auf unbescholtene Angehörige des libyschen Tubu-Stammes, der an der Grenze zu Tschad und Niger siedelt.

Diese Konflikte halten an und sind Teil der instabilen Lage in Libyen: hervorgerufen durch Kämpfe rivalisierender Milizen, Aktionen von Islamisten, Grenzkonflikte und den Waffenhandel.

In Paris fand daher am Dienstag eine internationale Konferenz zu den Sicherheitsproblemen in Libyen statt. Westliche Staaten wollen dem Land verstärkt bei der Grenzsicherung und im Kampf gegen den Waffenschmuggel helfen.

Gekürzte Lebensmittelrationen

Die meisten der Bewohner des Lagers in Shousha stammen aus Somalia, dem Sudan, Äthiopien und Eritrea. Nach Libyen können sie nicht zurück und in ihre Heimat wollen sie nicht, weil dort die Lage unsicher ist. Emaka sagt, dass Regierungstruppen sein Haus in Biafra mit Raketen angegriffen hätten. Seine Frau, seine Eltern und sein Bruder hielten sich darin auf. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR aber lehnt es ab, ihm wegen Verfolgung in seiner Heimat einen Flüchtlingsstatus zu geben. „Ich kann nicht nach Nigeria und auch nicht nach Libyen“, sagt er. „Aber wo soll ich denn hin?“

Darauf hat auch der Manager des Camps, Mohamed Jertila, keine Antwort. Im Mai 2011 hatten Einwohner aus der Nachbarstadt das Lager angegriffen, die Flüchtlinge attackiert und einen großen Teil des Camps niedergebrannt. Kurz danach hatte Jertila das Lager übernommen. Auf seinem Schreibtisch in dem Bürocontainer liegt jetzt ein Konzept, das die Schließung bis zum Juni 2013 vorsieht. „Shousha war als Transitcamp geplant“, sagt Jertila, es sollte keine Dauereinrichtung sein.

Das UNHCR erhöht inzwischen den Druck. Mitarbeiter werden abgezogen, im November haben sie den Flüchtlingen, die nicht als schutzbedürftig gelten, die Verpflegungsration gestrichen. Zu ihnen gehört auch Emaka. Wer in seine Heimat zurückkehrt, der soll eine Starthilfe von 700 Dollar bekommen, die eine internationale Hilfsorganisation zahlt.

Inzwischen haben sich im Camp drei Klassen gebildet. Es gibt Leute wie Emaka, die keinen Flüchtlingsstatus haben. Das sind etwa 200 Menschen. Eine zweite Gruppe bilden mehr als 300 anerkannte Flüchtlinge. Sie sollen in Tunesien integriert werden, wo es aber noch keine Asylgesetze gibt. So werden sie im Land zwar toleriert, haben Zugang zu medizinischer Versorgung, zum Arbeitsmarkt und zu Schulen, bekommen aber keine Personal-Dokumente.

In der dritten Gruppe befinden sich Menschen, die als Flüchtlinge anerkannt sind und in das sogenannte Resettlement-Verfahren von Drittländern aufgenommen wurden. Rund 2 600 solcher Flüchtlinge wurden bereits auf westliche Länder verteilt. Erstmals nimmt auch Deutschland an dem Programm teil, rund 200 Flüchtlinge aus dem Lager sind bereits im Herbst dort eingetroffen.

Auch Ahmed Mohammed Ahmed sollte eigentlich zu diesen Glücklichen gehören und von den USA aufgenommen werden. Der 29 Jährige stammt aus Mogadischu und hat früher ein kleines Kino besessen. Das war ein Raum mit einem Fernseher, in dem ein paar Tische standen und Kaffee und Tee ausgeschenkt wurden. Doch islamistische Extremisten mochten keine Fernseher und hatten sein Lokal gestürmt. Ahmed musste flüchten und strandete in Tripolis. Dort war er erst ein Jahr lang als illegaler Einwanderer eingesperrt, kam schließlich frei – und musste 2011 wegen des Bürgerkriegs erneut flüchten.

Wachsende Unruhe

Doch die aus den USA angereiste Prüfungskommission hat Ahmed nach einer Befragung einfach von der Liste gestrichen. Es gab dafür keine Erläuterung und keine Erklärung. „Ich weiß nicht was ich falsch gemacht habe“, sagt Ahmed. Widerspruch gegen die Entscheidung kann er nicht einlegen. Nur seinen Flüchtlingsstatus hat er behalten.

Die Hoffnungslosigkeit wächst, die Enttäuschung nimmt zu – und die Unruhe im Lager wird mit jedem Tag größer. Ende Januar sind rund 100 Camp-Bewohner nach Tunis gefahren und haben dort protestiert. Einige reden jetzt davon, dass sie mit dem Starthilfe-Geld die Passage in einem Flüchtlingsboot nach Europa bezahlen wollen. Andere kündigen an, dass sie das Camp nicht verlassen werden. Für Menschen wie Ike Emmanuel Chukunu Emaka und Ahmed Mohammed Ahmed wird das Flüchtlingsdasein nicht enden.

Auf der Spur der lobbyisten

http://www.berliner-zeitung.de/politik/-lobbyplag–auf-der-spur-der-lobbyisten,10808018,21732148.html

Auf der Spur der Lobbyisten

Kaum ist Annette Schavan wegen Plagiatsvorwürfen zurückgetreten, gibt es schon gibt es eine neue Website zum Thema Abschreiben. Diesmal geht es nicht um eine Doktorarbeit, sondern um den Einfluss von Lobbyisten auf Gesetzestexte.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Am Samstagabend ist Annette Schavan wegen Plagiats-Vorwürfen als Bundesbildungsministerin zurückgetreten, seit Sonntagabend gibt es eine neue Website zum Thema Abschreiben. Unter www.lobbyplag.eu werden allerdings nicht Doktorarbeiten untersucht, sondern Gesetzestexte mit den schriftlichen Änderungswünschen von Unternehmen und Lobbyverbänden verglichen.

Mitgründer Richard Gutjahr sagt, man sei eben erst pünktlich zum „Tatort“-Beginn fertig geworden mit dem Programmieren. Und noch gebe es nur eine vorläufige Version, eine monothematische obendrein: Untersucht wird zunächst einmal nur die geplante EU-Datenschutz-Grundverordnung. Wichtig genug, findet Gutjahr. „Das wird unser gesamtes digitales Leben definieren. Es steht eine Menge auf dem Spiel.“

Der 39-Jährige hat in München Journalismus studiert, er arbeitet als Moderator, bloggt, twittert und schreibt manchmal auch Kolumnen für Zeitungen aus Papier. Das Internet ist sein großes Thema. Er scheut auch nicht vor Selbstinszenierung zurück: 2010 gelang es ihm, nach langem Schlangestehen vor dem New Yorker Apple-Laden, als erster iPad-Käufer Schlagzeilen zu machen. Gutjahr sagt, er habe kein Problem damit, dass sein Handy-Netzbetreiber wisse, wo er sich gerade aufhalte. Auch nicht damit, dass die E-Book-Firma registriere, welche Buchseite er besonders lang ansehe. Er wolle aber schon wissen, wer was mit seinen Daten mache – oder es zumindest wissen können. „Da hört die Technikliebe auf“, sagt Gutjahr.

Auf der Suche nach Übereinstimmungen

Auf die Idee mit der neuen Website sei er vergangene Woche nach einem Telefonat mit Max Schrems gekommen, dem österreichischen Studenten, der gegen die Datensammelei von Facebook klagen will. Schrems habe im EU-Werk Übereinstimmungen mit Lobbyvorlagen gefunden. Gutjahr fand das spannend, alarmierte Bekannte mit Programmierkenntnissen. Man habe weitergesucht und sei fündig geworden. Nun stehen die Ergebnisse im Netz, auch Europa-Abgeordnete, die offenbar Formulierungsvorschläge übernommen haben, sind erkennbar. Die Betreiber entschieden sich gegen eine Kooperation etwa mit Verlagen, um unabhängig zu bleiben. Der Name der Website ist eine Markenanleihe: Seit der Aufregung um die Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist die Endung „-plag“ ein Label für gemeinsame Fälschungssuche im Netz.

Gutjahr sagt, er wisse noch nicht, wohin die Website führe. Ob auch andere Gesetzeswerke unter die Lupe genommen werden zum Beispiel. Gutjahr findet, abschreiben sei nicht per se schlecht, es sei aber interessant zu wissen, wer auf welchen Paragrafen wert gelegt habe. Die Website war kaum fertig, da beschwerte sich ein FDP-Mann: Die Lobbyplag-Leute hätten nicht berücksichtigt, dass für die Datenschutzregelung nicht nur von Amazon und Ebay, sondern auch von Nicht-Regierungsorganisationen abgeschrieben worden sei.

Dies ist ein Hinweiß für Familien die in Trennungsgedanken hängen

Kindergartenpädagogik
– Online-Handbuch –
Herausgeber: Martin R. Textor
Der ScheidungszyklusMartin R. Textor

zu Teil 1

2. Die Scheidungsphase

Die Scheidungsphase beginnt mit der endgültigen Trennung der Ehepartner und endet mit dem Scheidungsurteil. Sie dauert – von einigen Ausnahmen abgesehen – aufgrund gesetzlicher Vorschriften mindestens ein Jahr. In Einzelfällen, auf die nur in dem Exkurs über das Scheidungsrecht hingewiesen wird, kann sie sich auch über (mehr als) drei Jahre erstrecken. Über die Scheidungsphase liegen viel mehr Forschungsergebnisse und klinische Beobachtungen vor als über die Vorscheidungsphase. Bei der Übertragung amerikanischer Erkenntnisse auf die Situation in Deutschland muss beachtet werden, dass diese Phase in den USA aufgrund der anderen Rechtslage kürzer ist. Generell lässt sich die Scheidungsphase in den Zeitraum nach der endgültigen Trennung und in den Zeitraum um die gerichtliche Scheidung unterteilen.

Die Trennung und die Zeit danach

Zumeist wird die Trennung von der Ehefrau initiiert. In der Regel zieht ein Ehepartner aus der gemeinsamen Wohnung aus und lebt vielfach zunächst in einer provisorischen Unterkunft (zum Beispiel bei Verwandten oder Freunden). Manchmal zieht er in der ersten Zeit mehrfach um, bis er sich schließlich auf Dauer in einem Appartement oder Haus einrichtet. Vereinzelt müssen sich auch beide Partner neue Wohnungen suchen – beispielsweise wenn einer allein die alte nicht finanzieren kann. In einigen wenigen Fällen, die vor allem in Regionen mit Wohnungsknappheit und hohen Mieten vorkommen, sind die Ehegatten zur Trennung „unter einem Dach“ gezwungen. Dabei entsteht eine höchst unnatürliche, spannungsgeladene und emotional belastende Situation. Die Getrenntlebenden kommunizieren wenig miteinander, sie geraten immer wieder in Konfliktsituationen. Da sie kaum Abstand voneinander gewinnen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich mit der Zeit eine akzeptable Beziehung zwischen ihnen ausbildet. Leben Kinder in diesen Familien, so leiden sie zumeist stark unter der für sie unverständlichen Situation. Auch werden sie leicht in Konflikte hineingezogen.

Eine Trennung bedeutet für die Ehepartner eine Vielzahl von Veränderungen im psychischen, sozialen, finanziellen und beruflichen Bereich. Lebensweise, Gewohnheiten, Rollen, Selbstbild ändern sich; die interpersonale Umwelt verhält sich ihnen gegenüber anders. Jeder Getrenntlebende reagiert auf diese Veränderungen auf ganz individuelle und einzigartige Weise. Wohl sind viele Reaktionen typisch, sie treten beim einzelnen aber in einer unterschiedlichen Sequenz, Stärke und Dauer auf. Generell werden sie stark von der Art der Trennung bestimmt. So ist von großer Bedeutung, ob diese plötzlich und überraschend oder nach langen Diskussionen und Auseinandersetzungen erfolgte, ob sie einseitig oder gemeinsam entschieden wurde, und ob eine dritte Partei (Liebhaber) beteiligt ist oder nicht. Beispielsweise hat der Initiator der Trennung zumeist weniger Probleme, da er sich die neue Situation gewünscht hat, sich auf sie psychisch einstellen und notwendige Vorbereitungen treffen konnte. Rein emotional kann er sich aber als der „verlassene“ Partner erleben, wenn zum Beispiel sein Ehegatte ein außereheliches Verhältnis hatte oder sich aus berufsbedingten Gründen kaum um ihn kümmerte. Dann mag er noch starke Bindungen und intensive positive Gefühle empfinden, also in seinen Reaktionen eher einem verlassenen Partner ähneln.

Da Geschlecht, Alter und die jeweilige Phase des Lebens- und Familienzyklus die Folgen einer Trennung entscheidend beeinflussen, sollen diese Faktoren in der nachfolgenden Darstellung besondere Berücksichtigung finden. Von großer Bedeutung ist ferner, ob in der Familie Kinder leben oder nicht. Im letztgenannten Fall treten zumeist weniger Probleme auf, sind die Getrenntlebenden nicht zu einer weiteren Zusammenarbeit und zur Umstrukturierung ihrer Beziehung gezwungen. Die Folgen der Trennung werden außerdem zu einem großen Teil dadurch bestimmt, welcher Schicht die Familie angehört und ob beide Ehepartner (voll-)erwerbstätig sind oder nicht.

Nach der Trennung haben viele Ehegatten Probleme, das Ende ihrer Ehe zu akzeptieren. Dieses gilt vor allem für Personen, die noch positive Gefühle für ihren Partner empfinden, die die letzten Monate als relativ ruhig erlebten, die nur den Gatten oder einen Dritten für die Trennung verantwortlich machen, die sich in der neuen Situation besonders einsam und unsicher fühlen oder die in ihrem Netzwerk auf viel Kritik stoßen. Selbst der Initiator bezweifelt oft, ob er die richtige Entscheidung gefällt hat. Auch mag er starke Schuldgefühle entwickeln, weil er das Auseinanderbrechen seiner Familie verursacht und den anderen Familienmitgliedern so großen Schmerz bereitet hat. Zumeist verspürt er aber Erleichterung, dass er seine Trennungsabsicht in die Tat umgesetzt hat. Er akzeptiert eher die nun entstandene Situation, sieht seine Zukunft relativ positiv und mag sich sogar auf das Leben als Single freuen.

Besonders schwer fällt es dem Partner, der sich als plötzlich verlassen erlebt, das Ende seiner Ehe zu akzeptieren. Er kann die Entscheidung des Ehegatten nicht nachvollziehen, fühlt sich zurückgewiesen und abgelehnt. Oft verneint er zunächst die für ihn unverständliche Situation, durchläuft dann eine Phase des Protests und versinkt schließlich in tiefer Verzweiflung. Manchmal hofft er auch, durch bestimmte Verhaltensweisen die Zuneigung des Partners wieder zu gewinnen. Wenn dieses nicht gelingt, fühlt er sich machtlos und hilflos. Er kann aber auch mit Wut und Hass reagieren, sich dem Ehegatten gegenüber aggressiv verhalten und ihn bestrafen wollen – wobei er vielfach nicht vor Gewalt und, im Einzelfall, auch nicht vor einem Mordversuch zurückschreckt. Natürlich kann auch der Partner brutal reagieren. Wallerstein und Blakeslee (1989) berichten, dass in ihrer Stichprobe mehr als die Hälfte der Kinder Zeugen von Gewalttätigkeiten zwischen ihren Eltern wurden.

Befragt man Erwachsene, welche Gefühle sie nach der Trennung verspürten, so berichten sie von Schmerz, Trauer, emotionaler Erstarrung, Selbstmitleid, Depressivität, Hoffnungslosigkeit, Angst, Unsicherheit, Wut, Hass, Verbitterung, Rachegefühlen, Aggressivität, Minderwertigkeitsgefühlen, Selbstzweifeln, Schuldgefühlen. Zumeist dauern diese Gefühlszustände lange an und wechseln in Art und Intensität. Oft werden auch entgegengesetzte Emotionen erlebt. Die genannten Gefühle führen leicht zu unüberlegtem und irrationalem Verhalten. Die Beschäftigung mit ihnen zieht vielfach die berufliche Leistungsfähigkeit in Mitleidenschaft. Ferner wird häufig von psychischen und psychosomatischen Störungen berichtet. So sagten bei der amerikanischen Untersuchung von Spanier und Thompson (1984) ein Drittel der Frauen und ein Fünftel der Männer, dass sie in der Zeit nach der Trennung unter Symptomen litten. Generell wird von Schlafstörungen, Erschöpfung, Apathie, Nervosität, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, erhöhtem Alkohol- und Nikotingenuss, Depressionen und so weiter berichtet. Nach verschiedenen Untersuchungen sind bei Getrenntlebenden und Geschiedenen erhöhte Selbstmordraten, eine größere psychiatrische Morbidität, eine überdurchschnittlich große Anfälligkeit für Krankheiten und eine höhere Unfallrate festzustellen (vgl. Bojanovsky 1983; Dyer 1986; Mowatt 1987).

Es ist jedoch zu beachten, dass es neben den beschriebenen negativen Gefühlen und Symptomen auch entgegengesetzte Entwicklungen gibt. Das verdeutlicht eine Befragung von 132 geschiedenen Männern und 235 Frauen, die im Rahmen einer für die USA repräsentativen Umfrage bei rund 3.000 Singles erfolgte: Wohl kam es im ersten Jahr bei vielen zu einer Abnahme der Selbstwertgefühle (15 % der Männer, 17 % der Frauen), der Zufriedenheit (33 % der Männer, 32 % der Frauen), der inneren Energie (21 % der Männer, 28 % der Frauen) und des Gefühls einer positiven Weiterentwicklung (11 % der Männer, 12 % der Frauen), zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes (19 % der Männer, 21 % der Frauen), zu Schlafstörungen (25 % der Männer, 33 % der Frauen) und zu Depressionen (41 % der Männer, 51 % der Frauen) – bei vielen kam es aber auch zu einer Zunahme des Selbstwertgefühls (49 % der Männer, 64 % der Frauen), der Zufriedenheit (50 % der Männer, 60 % der Frauen), der inneren Energie (35 % der Männer, 53 % der Frauen) und des Gefühls der eigenen positiven Weiterentwicklung (59 % der Männer, 76 % der Frauen), zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes (27 % der Männer, 32 % der Frauen), zu einem Rückgang der Schlafstörungen (16 % der Männer, 33 % der Frauen) und zu einer Abnahme von Depressionen (21 % der Männer, 30 % der Frauen) (Simenauer und Carroll 1982).

Diese Unterschiede lassen sich auf verschiedene Weise erklären. So ist zum Beispiel die subjektive Bewertung der Trennung im Hinblick auf die eigene Gegenwart und Zukunft von großer Bedeutung. Sieht ein Getrenntlebender die Scheidung in erster Linie als Chance des Neubeginns, so wird er relativ schnell über sie hinwegkommen. Betrachtet er sie hingegen als Verstoß gegen Gottes Ordnung, als Folge des eigenen Versagens oder als Zeichen, dass er unattraktiv und nicht liebenswert ist, so wird er lang an der Trennung leiden. Außerdem bewältigt eine Person diese Situation besser, wenn sie ein großes Repertoire an coping-Strategien besitzt, also schon viele kritische Lebensereignisse erfolgreich angegangen ist. Eine große Rolle spielt auch, inwieweit sie die Trennungssituation als Verbesserung gegenüber der Ehe erlebt. So verschwinden vielfach die in der Vorscheidungsphase erlebten psychischen und psychosomatischen Störungen, da Ehekonflikte, Angst vor dem Partner und ähnliche Belastungen nicht mehr von Bedeutung sind. Manche Getrenntlebende finden auch in einer neuen intimen Beziehung Zufriedenheit und Glück. Hingegen leiden Personen eher unter negativen psychischen Folgen der Trennung, wenn sie frühere Verlusterfahrung unzureichend verarbeitet haben, viel in ihre Ehe investierten, einen großen Statuswert erlebten oder mit den Herausforderungen der neuen Situation nicht fertig werden.

Von großer Bedeutung für das Ausmaß des emotionalen Wohlbefindens nach der Trennung sind ferner die Netzwerkkontakte. Verheimlichen Getrenntlebende ihre neue Lebenssituation vor Freunden, Kollegen und Bekannten, so können sie von diesen keine Unterstützung erfahren und sind in ihrem Schmerz allein. Sind sie Einzelgänger oder verlieren sie mit der Trennung die meisten Freunde und Bekannten, da diese eine engere Beziehung zum ehemaligen Partner haben oder dessen Partei ergreifen, werden sie ebenfalls wenig Rückhalt finden und sich einsam fühlen. Inwieweit sie in einem ausdifferenzierten Netzwerk Hilfe finden, hängt zu einem großen Teil davon ab, ob Verwandte, Freunde und Bekannte der Trennung eher zustimmten oder nicht. So berichteten bei der amerikanischen Studie von Spanier und Thompson (1984) nur die Hälfte der Frauen und 35 % der Männer, dass die eigenen Eltern der Trennung zustimmten. Hingegen stieß rund ein Drittel der Befragten auf Kritik und Ablehnung. Unabhängig von ihrer Haltung ergreifen die Mitglieder der Herkunftsfamilie jedoch in der Regel die Partei ihres Blutsverwandten und helfen ihm – sofern vor der Trennung noch engere Kontakte bestanden. Allerdings berichteten bei der vorgenannten Untersuchung auch ein Viertel der Männer und ein Drittel der Frauen von emotionaler Unterstützung durch die Schwiegereltern.

Bei Freunden und Bekannten ist es zumeist weniger wichtig, ob sie der Trennung zustimmen oder nicht. Aber auch sie entscheiden sich in der Regel für einen der beiden Partner, wobei sie sich von der Intensität und Qualität der Beziehungen leiten lassen. Sie bieten Verständnis und Empathie, vermitteln Gefühle der Sicherheit und Geborgenheit, helfen beim Umzug, bei der Arbeitssuche, im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, ermöglichen eine befriedigende Freizeitgestaltung und versuchen, neue Partnerschaften zu stiften. Nach der genannten Studie erhielten 85 % der Frauen und 65 % der Männer Dienstleistungen sowie 65 % beziehungsweise 30 % eine finanzielle Unterstützung aus ihrem Netzwerk. Manchmal erleben Getrenntlebende aber auch das Mitleid und die Hilfsbereitschaft von Verwandten und Freunden als übertrieben. Auch fühlen sie sich bald sonderbar in der Gesellschaft von Ehepaaren. So nimmt der Kontakt zu verheirateten Freunden einige Monate nach der Trennung rapide ab (vor allem bei Frauen). Die Getrenntlebenden beginnen, ihr geschrumpftes Netzwerk auszubauen. Sie schließen neue Bekanntschaften, insbesondere mit Singles und Geschiedenen. Dabei ändern sie ihr Selbstkonzept und nehmen sich mehr und mehr als Alleinlebende (beziehungsweise Alleinerziehende) wahr. Zugleich verändern sie ihren Lebensstil, entwickeln neue Lebensziele und -inhalte.

In den ersten ein, zwei Monaten nach der Trennung haben Getrenntlebende in der Regel relativ wenig Kontakt zu Sexualpartnern – sofern nicht ein außereheliches Verhältnis fortgesetzt wird. Sie sind sich oft nicht im klaren, ob die Trennung endgültig ist und ob sie für neue Beziehungen frei sind. Nach der Untersuchung von Spanier und Thompson (1984) über 210 geschiedene Personen begann aber die Mehrheit innerhalb von sechs Monaten nach der Trennung mit der Partnersuche. Ausnahmen sind vor allem Getrenntlebende, die noch starke Bindungen an den Ehegatten verspüren, intensiv mit sich selbst (ihrem Leiden, der Selbsterkenntnis, dem Aufarbeiten der Vergangenheit usw.) beschäftigt sind, in der Beziehung zu ihren Kindern aufgehen, ein starkes Misstrauen gegenüber dem anderen Geschlecht entwickelt haben oder große Angst vor Zurückweisung oder einem erneuten Scheitern haben.

Viele Personen, insbesondere wenn sie lange verheiratet waren, fühlen sich bei der Partnersuche sehr unsicher. Sie wissen oft nicht, wo sie potentielle Partner treffen und wie sie mit ihnen Kontakt aufnehmen können. Auch bezweifeln sie häufig, dass sie auf andere Personen (sexuell) attraktiv wirken. Ihre Ängste, Zweifel und Schuldgefühle äußern sich in neuen Beziehungen vielfach in der Form sexueller Probleme. So wurde bei einer amerikanischen Untersuchung über 367 Geschiedene (Simenauer und Carroll 1982) herausgefunden, dass 20 % der Männer und 45 % der Frauen im ersten Jahr des Alleinlebens einen Mangel an Lust erlebten. Auch berichteten 11 % der Männer von Impotenz und 8 % von vorzeitiger Ejakulation; 20 % der Frauen waren unfähig, einen Orgasmus zu erleben. Etwa ein Viertel der Befragten begann zu masturbieren oder onanierte häufiger als vor der Trennung; 9 % der Männer und 6 % der Frauen berichteten das Gegenteil. Außerdem erwähnten 54 % der Männer und 44 % der Frauen eine Zunahme sowie 27 % beziehungsweise 36 % eine Abnahme von sexuellen Aktivitäten. Schließlich fanden fast zwei Drittel der Befragten, dass ihre sexuelle Attraktivität nach der Trennung wuchs.

Generell lassen sich mehrere Verhaltensmuster bei der Partnersuche beobachten. So erleben viele Getrenntlebende eine „zweite Adoleszenz“: Sie wechseln häufig ihre Partner und experimentieren mit verschiedenen Ausdrucksformen von Sexualität. Sie wollen sich selbst bestätigen, dass sie noch begehrenswert sind und mit jüngeren Konkurrenten mithalten können – oft suchen sie sich sehr viel jüngere Partner. Getrenntlebende, die sich als wenig attraktiv und liebenswert erleben oder aufgrund ihrer Vorerfahrungen ein niedrigeres Anspruchsniveau haben, akzeptieren auch Sexualpartner, mit denen sie normalerweise keinen Kontakt aufnehmen würden. Da rasch wechselnde sexuelle Beziehungen das Bedürfnis nach Intimität nicht befriedigen und oft als enttäuschend oder desillusionierend erlebt werden, ändern viele bald wieder ihr Sexualverhalten. Auch steigt mit der Zeit das Anspruchsniveau wieder an. Die Getrenntlebenden suchen dann nach längerfristigen und intensiveren Beziehungen. Manche ändern ihr Verhalten jedoch nicht, weil sie große Bindungsängste haben, keine neuen Verpflichtungen übernehmen wollen oder ihre Kinder allein erziehen möchten.

In anderen Fällen haben die Getrenntlebenden schon vor der Trennung eine enge, intensive und intime Beziehung gefunden oder gehen eine solche so bald wie möglich ein. Sie erfahren in ihr Liebe, Zuneigung, Verständnis und Empathie, können in ihr die gescheiterte Ehe aufarbeiten und vergessen. Viele suchen auch von Anfang an einen neuen Ehepartner, insbesondere wenn sie sich einsam fühlen und mit sich selbst nichts anfangen können, wenn sie materielle Probleme haben oder es als schwierig erleben, Berufstätigkeit und Erziehung miteinander zu vereinbaren. Haben sie Kinder, halten sie nach einem Partner Ausschau, der mit diesen gut auskommt, und integrieren ihn langsam in ihre Familie. Nur selten heiraten sie direkt nach der Scheidung. Auch führt nur in Einzelfällen eine außereheliche Beziehung zur Heirat.

Im folgenden sollen einige alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede herausgearbeitet werden. Während Personen, die noch relativ jung sind, nur kurze Zeit verheiratet waren und keine Kinder haben, sehr schnell in den Lebensstil von Singles zurückfallen, wenig Probleme mit der Partnersuche haben und leicht voneinander finanziell unabhängig werden, ergibt sich ein anderes Bild bei Ehepaaren, die lange zusammenlebten. So wurden 1987 beispielsweise in der Bundesrepublik 17.634 Ehen nach 16 bis 20 Ehejahren, 13.132 nach 21 bis 25 Jahren und 10.428 nach 26 und mehr Jahren geschieden (Statistisches Bundesamt 1989a). In diesen Fällen wird die Trennung als ein großes Trauma und als Verlust an Lebenssinn erlebt, da die Partner viel in ihre Ehe investiert haben. Sie können ihren Lebensstil nur unter großen Schwierigkeiten ändern, weil es viele eingefahrene Verhaltensmuster und oft noch eine traditionelle Arbeitsteilung in der Familie gibt. So sind viele Frauen nicht erwerbstätig und haben aufgrund ihres Alters und mangelnder Berufserfahrung wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt – sie müssen von den Unterhaltszahlungen ihrer früheren Ehemänner leben, geraten oft in finanzielle Schwierigkeiten und erleben einen großen Statusverlust. Auch ist es für sie schwierig, ihr geschrumpftes Netzwerk auszuweiten. Beispielsweise berichtete die Hälfte von 204 kanadischen Frauen, die 20 Jahre und länger verheiratet waren, dass sie sich nach der Trennung einsam fühlten (Langelier und Deckert 1980). Ein Drittel verlor viele verheiratete Freunde. Fast alle berichteten aber, dass sie mit der Zeit unabhängiger und durchsetzungskräftiger wurden. Ältere Männer erleben eine Trennung oft als Zeichen persönlichen Versagens. Sie besitzen aber zumeist eine sichere Selbstidentität und bessere coping-Strategien als jüngere Männer. Auch sind sie beruflich etabliert und können auf ausdifferenzierte Netzwerke zurückgreifen.

In der Regel ist es für Getrenntlebende schwer, ihren Kindern zu erklären, wieso sie sich nach mehr als 20 Ehejahren scheiden lassen wollen. Allerdings müssen sie weniger Rücksicht auf ihre Kinder nehmen, da diese selbständig und oft bereits finanziell unabhängig sind. Große Probleme bereiten aber die Beziehungen zu Schwiegereltern und deren Verwandten, da sie häufig im Verlauf der Zeit sehr intensiv geworden sind. Auch gibt es vielfach Schwierigkeiten bei der Aufteilung des Besitzes, weil er recht groß sein kann und an viele Dinge Gefühle und Erinnerungen geknüpft sind. Eine besondere Situation entsteht, wenn die Ehepartner bereits im Ruhestand leben. Dann muss die Rente geteilt werden (finanzielle Probleme), sind die Getrenntlebenden weniger anpassungsfähig, wird die nach dem Eintritt in den Ruhestand eintretende Reduzierung des Netzwerkes noch verstärkt, ist das Unverständnis bei Kindern und Enkeln besonders groß.

Die Trennung ist auch für Männer und Frauen mit unterschiedlichen Folgen verbunden. So haben erstere oft große Schwierigkeiten mit der Haushaltsführung, insbesondere wenn sie in einer Ehe mit traditioneller Arbeitsteilung lebten. Sie sind frustriert und mit sich selbst wütend, wenn sie mit einfachen Hausarbeiten nicht fertig werden. Da ihnen das Kochen Probleme bereitet, verschlechtert sich ihre Ernährung. Auch essen sie unregelmäßig und nehmen häufig Mahlzeiten am Imbissstand oder in Restaurants zu sich. Hinzu kommt, dass sie ihre Wohnung nicht mehr als Heim erleben, weil sie zumeist umziehen mussten, ihre neue Unterkunft als ungemütlich empfinden und sich in ihr einsam fühlen. Deshalb verbringen sie so viel Zeit wie möglich außer Haus, stürzen sich also zum Beispiel in die Arbeit oder in das Nachtleben. Selbstverständlich ändert sich diese Situation, sobald sie die Haushaltsführung beherrschen oder eine Partnerin gefunden haben. Im Gegensatz zu Frauen unterdrücken getrenntlebende Männer eher Gefühle der Trauer und des Schmerzes, aber weniger Emotionen wie Zorn und Hass. Auch sind sie häufig von der Stärke ihrer Abhängigkeitsbedürfnisse überrascht. Zumeist fällt es ihnen schwer, mit anderen über ihr Gefühlsleben zu sprechen, da dieses der männlichen Geschlechtsrolle widerspricht und weil sie oft keine wirklich engen Beziehungen zu gleichgeschlechtlichen Freunden haben. So beginnen sie bald mit der Partnersuche und sind dabei in der Regel erfolgreicher als Frauen, die hingegen leichter vertrauenswürdige Freundinnen finden.

Frauen zeigen nach der Trennung meist Gefühle wie Trauer, Reue und Angst; hingegen verdrängen sie aggressive Impulse. Ältere Frauen, die viel in ihre Familie investiert haben, werden häufig depressiv, da sie ihren bisherigen Lebenssinn verlieren. Sie erleben es oft auch als sehr schwierig, die zuvor von ihren Männern erfüllten Aufgaben zu übernehmen, insbesondere weil in ihren Familien seit langem bestimmte Muster der Arbeitsteilung praktiziert wurden. Sie fühlen sich in ihrer Rolle als Getrenntlebende lange unsicher, da sie von dem Mangel an Normen und Regeln über das Leben nach Trennung und Scheidung besonders betroffen sind (Anomie). Mit der Zeit entwickeln sie aber einen neuen Lebensstil, neue Hobbys und Freizeitaktivitäten. Jüngere Frauen erweitern ihr soziales Netzwerk und beginnen wieder mit der Partnersuche. Sie verändern oft ihr Aussehen, legen beispielsweise mehr Make-up auf, entscheiden sich für modernere Frisuren und kleiden sich entsprechend der neuesten Mode. Viele Frauen vernachlässigen aber auch ihre äußere Erscheinung und nehmen an Gewicht zu.

Heute wird von Frauen erwartet, dass sie sich nach Trennung und Scheidung selbst ernähren, sofern sie nicht Kleinkinder zu versorgen haben. Für ältere Getrenntlebende, die vor der Ehe nur niedrige berufliche Qualifikationen erworben hatten und dann Hausfrauen wurden, ist es jedoch sehr schwer, eine adäquate Stelle zu finden. So erleben sie oft einen starken sozioökonomischen Abstieg. Da sie ihre Position in Abhängigkeit von dem Beruf ihres Mannes definiert haben, bedeutet die Trennung für sie zugleich einen großen Status- und Selbstwertverlust. Aber auch Frauen, die nur schlecht bezahlte Teilzeitarbeit ausüben beziehungsweise finden, müssen große Einbußen in ihrem Lebensstandard verkraften. Sie haben wenig Geld für die Ergänzung der Wohnungseinrichtung, für Freizeitaktivitäten und Urlaubsreisen; oft benötigen sie staatliche Hilfen. Sozialer Abstieg, Arbeitslosigkeit und materielle Probleme verschärfen noch die Folgen der Trennung und führen zu einer schlechteren Anpassung an die neue Situation. Hinzu kommt, dass sich das Los von getrenntlebenden oder geschiedenen Frauen ohne adäquate Berufsausbildung zumeist im Verlauf der Zeit kaum bessert.

Jüngere Frauen haben heute in der Regel eine gute Schulbildung genossen und eine Berufsausbildung abgeschlossen. Sofern sie zum Zeitpunkt der Trennung nicht mehr erwerbstätig sind, finden sie leicht eine neue Stelle. Auch haben sie mehr Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs, so dass sich ihre materielle Situation mit der Zeit verbessert. Allgemein lässt sich sagen, dass erwerbstätige Frauen eine Trennung psychisch besser überstehen, da die gewohnte Berufssphäre Kontinuität bietet, die Arbeit als Quelle von Befriedigungen und positiven Selbstwertgefühlen erlebt wird, finanzielle Notlagen seltener auftreten und Kollegen vielfach verständnisvoll und hilfreich sind. Vor allem ältere erwerbstätige Frauen haben oft nach der Trennung weniger Probleme, da sie im Beruf gelernt haben, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und Entscheidungen zu fällen.

Besonders problematisch ist die materielle und berufliche Situation von Getrenntlebenden, die Kinder haben und diese versorgen müssen. Wie wir bereits in der Einleitung gesehen haben, handelt es sich in etwa 85 % der Fälle um Frauen. Da die Kinder zum Zeitpunkt der Trennung in der Regel noch recht jung sind (die meisten Ehen werden im ersten Ehejahrzehnt geschieden), haben viele Mütter ihre Erwerbstätigkeit aufgegeben oder auf Teilzeitarbeit beschränkt. Im ersten Fall erleben sie es als schwierig, eine mit der Kinderbetreuung zu vereinbarende Stelle zu finden, und sind oft lang arbeitslos. Aber auch im zweiten Fall müssen sie häufig mit der Arbeitssuche beginnen, wenn das Erwerbseinkommen sehr niedrig ist. Die schlechte materielle Situation dieser Teilfamilien wird in einer Studie von Neubauer (1988) verdeutlicht. Die Autorin ermittelte, dass im Jahr 1985 getrenntlebende Mütter mit Kindern unter 18 Jahren den überwiegenden Lebensunterhalt zu 49,8 % aus Erwerbstätigkeit, zu 28,1 % aus Unterhaltszahlungen, zu 13,9 % aus Sozialhilfe und zu 5,5 % aus Arbeitslosengeld beziehungsweise -hilfe bestritten. Waren die Kinder unter drei Jahren alt, lebten nur 32,6 % der Teilfamilien von dem Erwerbseinkommen der Mütter, aber 25,3 % von der Sozialhilfe. Und selbst bei Kindern im Alter von 10 bis unter 15 Jahren wurde der Lebensunterhalt nur in 52,5 % der Fälle überwiegend über die Berufstätigkeit der Mütter finanziert. Hier wird deutlich, dass etwa jede achte Mutter – und ein noch höherer Prozentsatz der Mütter von Kleinkindern – nach der Trennung das Sozialamt aufsuchen muss. Oft erlebt sie diesen Gang als Erniedrigung, Kränkung und Ausdruck des Versagens. Unterhaltszahlungen sind nur in jedem vierten Fall von Bedeutung. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass Unterhaltspflichtige ihren Verpflichtungen nicht oder nur teilweise nachkommen. Bei Kindern unter sechs Jahren springt dann unter bestimmten Umständen der Staat ein: So wurde zum 31.12.1987 in 21.207 Fällen Unterhalt nach dem Unterhaltsvorschußgesetz (UVG) an Kinder dauernd getrennt lebender Ehepaare gezahlt (Statistik des BMJFFG).

Erwerbstätige Getrenntlebende mit Kindern haben wohl weniger finanzielle Probleme, sind aber häufig überlastet und am Ende ihrer seelischen und körperlichen Kräfte. Nach einer Studie über 100 geschiedene Mütter und 50 Väter (Napp-Peters 1985) bestand für rund 40 % der Alleinerziehenden die schwierigste Aufgabe nach der Trennung darin, Beruf, Kindererziehung und Haushalt miteinander in Einklang zu bringen. Dieses gilt vor allem für solche Personen, die erst zum Zeitpunkt der Trennung wieder erwerbstätig werden. So macht die Familie zunächst einen desorganisierten Eindruck: Die Wohnung wirkt unordentlich und ungepflegt; die Familienmitglieder essen unregelmäßig und selten gemeinsam; Bettzeiten werden nicht eingehalten; die Kinder kommen zu spät in Kindergarten oder Schule. Besondere Schwierigkeiten macht auch die Betreuung kleinerer Kinder, da es an Plätzen in Kindertagesstätten und Horten mangelt und da die Öffnungszeiten dieser Einrichtungen vielfach zu kurz sind. Grundschüler haben unregelmäßige Schulzeiten; zudem gibt es zu wenig Ferienangebote für sie. Bei der zuvor erwähnten Untersuchung berichteten auch 38 % der Alleinerziehenden, dass sie niemanden haben, der bei ihrer Erkrankung einspringen und die Kinderbetreuung übernehmen könnte.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Mütter nach der Trennung mit ihren Kindern umziehen. Besonders häufig wechseln sie vom Land in die Stadt, da es dort mehr Berufsmöglichkeiten für Frauen gibt, weil die Kinderbetreuungsangebote in der Stadt besser sind und da sie in der dörflichen oder kleinstädtischen Umgebung stärker diskriminiert werden. Aber auch in größeren Städten werden sie mit Vorurteilen konfrontiert und bei der Wohnungssuche benachteiligt. Zumeist dauert es recht lang, bis sie sich von der negativen Haltung ihrer Umwelt distanzieren können. Insbesondere nach einem Umzug, oder wenn sie wegen der Versorgung kleinerer Kinder nur selten die Wohnung verlassen können, fühlen sich Getrenntlebende einsam und isoliert – wobei diese Emotionen besonders stark bei nichterwerbstätigen Elternteilen auftreten. Sie haben wenig Kontakt zu anderen Erwachsenen und wenig Freizeitmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass sich Mütter häufig als unattraktiv erleben und deshalb in die Partnersuche wenig Energie investieren.

Eine problematische Situation kann entstehen, wenn Getrenntlebende mit Kindern zu ihren Eltern ziehen. Wohl sind Probleme finanzieller Natur und hinsichtlich der Kinderbetreuung größtenteils gelöst; die neue Situation kann aber viel Konfliktstoff enthalten. So wetteifern Mütter und Großmütter oft miteinander, wer am besten die Kinder erziehen kann. Vielfach kommt es auch zu Auseinandersetzungen, wenn sie unterschiedliche Erziehungsstile praktizieren oder favorisieren. Außerdem lehnen es manche Großmütter ab, ihre Enkel zu bestrafen. Selbst wenn sie zu diesen zuvor ein positives Verhältnis hatten, empfinden sie das Zusammenleben mit ihnen oft bald belastend und überfordernd. Sie haben mehr Arbeit, erleben mehr die negativen Seiten ihrer Enkel und geraten häufiger mit ihnen in Auseinandersetzungen. Schließlich kann sich problematisch auswirken, wenn die Mütter wieder eine Tochterrolle einnehmen und einen großen Teil ihrer Erziehungsfunktion abtreten. Sie werden dann zu „älteren Schwestern“ ihrer Kinder, die vielfach Orientierungsprobleme haben, Loyalitätskonflikte empfinden oder den Eindruck gewinnen, dass sie nun auch noch den zweiten Elternteil verloren haben. Natürlich kann sich diese Situation aber auch positiv entwickeln, zum Beispiel wenn die Großeltern einen großen Teil der aus der Trennung resultierenden Probleme auffangen und den Kindern viel Liebe, Verständnis und Empathie entgegenbringen.

Abschließend soll noch kurz auf die Situation von sorgeberechtigten Vätern eingegangen werden, die rund 15 % aller Getrenntlebenden mit Kindern ausmachen. Sie erleben zum einen ähnliche Probleme wie die zuvor beschriebenen. Erschwerend kommt aber zum anderen hinzu, dass sie in der Regel nur schlecht auf ihre Rolle als Haupterzieher der Kinder vorbereitet sind, da in den meisten Familien noch immer die Mütter den größten Teil der Erziehungsfunktion ausüben. So müssen die Väter oft erst die alltäglichen Aufgaben der Versorgung, Pflege und Erziehung von Kindern erlernen. Hinzu kommt, dass sie es schwer haben, ihre Hilfsbedürftigkeit in diesem Bereich vor sich und anderen einzugestehen. Viele Väter, die sich in dieser Situation befinden, suchen besonders intensiv nach einer neuen Partnerin, die ihnen die Last der Kindererziehung und Haushaltsführung abnehmen soll. Bei einem hohen Einkommen lassen sie sich dazu aber mehr Zeit, da sie zum Beispiel eine Kinderfrau einstellen können. Väter, die kleine Kinder versorgen und deshalb ihren Beruf aufgeben müssen, erleben einen besonders starken wirtschaftlichen und sozialen Abstieg. Häufig fühlen sie sich von ihrer Umwelt geächtet.

Beziehung zwischen getrenntlebenden Ehegatten

Von großer Bedeutung für das psychische Wohlbefinden ist auch die Beziehung zum ehemaligen Partner. Sie muss individuell und aktiv bestimmt werden, da diese Rolle gesellschaftlich nicht definiert ist. Erschwerend kommt hinzu, dass das soziale Umfeld Kontakte zwischen früheren Ehegatten negativ sieht. Dennoch gelingt es vielen Personen, nach der Trennung eine wenig belastende Beziehung zum ehemaligen Partner aufzubauen. Das ist besonders häufig der Fall, wenn sie sich gemeinsam für die Scheidung entschieden haben und ohne größere Konflikte auseinandergegangen sind. Sie können in der Regel Beschlüsse über die Aufteilung des Eigentums, die Unterhaltsregelungen und die Erziehung der Kinder (Sorgerecht) auf rationale Weise fassen.

In vielen Fällen spüren Getrenntlebende noch starke positive Gefühle füreinander. Nach einer amerikanischen Studie (Spanier und Thompson 1984) empfanden vor allem Männer noch Liebe für ihre früheren Ehefrauen, die eher von einer Mischung aus Liebe und Hass berichteten. Nach einer anderen Untersuchung (Bloom und Hodges 1981) über 153 Personen, die sich gerade von ihrem Ehegatten getrennt hatten, sprachen 45 % der Befragten mit ihrem früheren Partner über die Möglichkeit einer Versöhnung – wobei das eher auf Eltern als auf kinderlose Paare zutraf. Nach amerikanischen Forschungsergebnissen bleiben enge Beziehungen auch noch nach der Scheidung bestehen, die in den USA kurze Zeit nach der Trennung erfolgen kann (im Gegensatz zu Deutschland). So berichten beispielweise Hetherington, Cox und Cox (1982), die 72 Scheidungsfamilien untersuchten: „Sechs Paare hatten Geschlechtsverkehr in den 2 Monaten nach der Scheidung. Vierunddreißig Mütter und 29 Väter berichteten, dass im Falle einer Krise der frühere Ehegatte die erste Person wäre, die sie anrufen würden. Acht Väter halfen weiterhin der Mutter im Haushalt und vier passten auf die Kinder auf, wenn sie andere Männer traf“ (S. 250).

Hier wird deutlich, wie stark die Bindungen an den früheren Partner noch sein können. Vor allem Männer erkennen oft jetzt erst ihre Abhängigkeitsbedürfnisse, derer sie sich vor der Trennung nicht bewusst waren. Auch viele Initiatoren stellen zu ihrer eigenen Überraschung fest, dass sie ihre früheren Partner vermissen und sich allein fühlen. „Es ist sehr einleuchtend, dass der Prozess der Auflösung der Beziehung zu einer primären Bezugsperson das Gefühlsleben und Selbstbild durcheinander bringt. Bedenkt man die zentrale Rolle, die der Bindungsprozess für die eigene Identität hat, ist es auch nicht verwunderlich, dass ein sich trennendes Individuum ein Fortdauern der Bindung trotz einer Abnahme der Liebe erfährt …“ (Granvold 1989, S. 200). Hinzu kommt, dass bestimmte Situationen und Gegenstände immer wieder die Erinnerung an den früheren Partner wecken. Es ist offensichtlich, dass für Personen mit intensiven Bindungen und verbleibenden positiven Gefühlen die Trennungssituation besonders belastend ist.

Das Wohlbefinden von Getrenntlebenden ist fraglos stark beeinträchtigt, wenn es zu häufigen Auseinandersetzungen mit dem früheren Partner kommt. Dabei brechen oft heftige negative Emotionen hervor, mangelt es an Urteilsvermögen, gerät das Verhalten leicht außer Kontrolle, führt jede zu klärende Frage zu einem Machtkampf. Häufig kommt es zu Kommunikationsstörungen (wie Inkongruenz oder Fehlen von Rückmeldung), wird über Dritte kommuniziert, die leicht Botschaften verzerren und eine Eskalation von Konflikten hervorrufen können. Viele Getrenntlebende denken das Schlechteste über ihren ehemaligen Partner, begegnen ihm mit tiefstem Misstrauen und weisen ihm die Schuld für die Trennung und alle von ihnen derzeit erlebten Belastungen zu.

Unter diesen Bedingungen können viele nach der Trennung anstehende Fragen nicht rational geklärt werden. Dennoch müssen vorläufige Regelungen hinsichtlich der Aufteilung des Besitzes, des Ehegatten- beziehungsweise Kindesunterhalts und des Verbleibs der Kinder (Sorge- und Besuchsrecht) getroffen werden. Dieses ist in solchen Fällen oft nur unter Einschaltung von Rechtsanwälten, Gerichten und Jugendämtern möglich. Dabei werden viele Konflikte auf dem Rücken der Kinder ausgetragen: So mag der Elternteil, bei dem die Kinder leben, Besuchs-, Brief- und Telefonkontakte zu dem abwesenden Elternteil zu unterbinden versuchen, weil der ehemalige Partner keinen oder nur einen Teil des Unterhalts zahlt, den Betrag zu spät auf das Konto überwiesen oder die Besuchsregelungen nicht eingehalten hat. Oft handelt er auch so, weil er die Elternrechte des früheren Ehegatten nicht anerkennt, dessen Erziehungs- oder Lebensstil ablehnt oder seiner Wut auf ihn Ausdruck verleihen will. Oder er kann vielfach nicht akzeptieren, dass die Kinder den abwesenden Elternteil lieben, oder befürchtet, dass er sie an ihn verlieren konnte. Dieser mag in solchen Fällen die Kinder aufhetzen, indem er ihnen attraktive Freizeitunternehmungen bei Besuchen in Aussicht stellt und deren Undurchführbarkeit beklagt.

Eltern-Kind-Beziehung

Das Ehe- und das Eltern-Kind-System sind zwei unterschiedliche Subsysteme der Familie. Bei der Trennung lösen die Ehegatten wohl die Partnerbeziehung auf, bleiben aber weiterhin die Eltern ihrer Kinder. Jedoch ändern sich in den folgenden Monaten und Jahren auch die Eltern-Kind-Beziehungen. Sofern ein Kontakt zu beiden Elternteilen besteht, können der mütterliche und der väterliche Haushalt für die Kinder zu Teilen eines „binuklearen Familiensystems“ werden (Ahrons und Wallisch 1987b). Die Getrenntlebenden müssen sich weiterhin über die Erziehung ihrer Kinder verständigen. Manchen gelingt es, die Elternrolle von der Partnerrolle zu trennen und die Kinder aus Konflikten mit dem früheren Ehegatten herauszuhalten; andere sind hierzu nicht fähig. In diesem Unterkapitel soll nun die Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehungen nach der Trennung beleuchtet werden. Da die meisten Kinder bei der Mutter bleiben (s.o.), werde ich den anwesenden Elternteil als Mutter und den abwesenden als Vater bezeichnen. Für die 15 % der Fälle, in denen die Kinder beim Vater bleiben, gilt zumeist Analoges.

Nach der Trennung haben Mütter plötzlich mehr oder minder die alleinige Verantwortung für ihre Kinder. Jedoch ist diese Situation nicht so neu für sie, da sie schon in der Ehe die Hauptlast der Kindererziehung und Haushaltsführung trugen. Vielmehr geben die vielen Routineaufgaben (und der häufige Verbleib in der Familienwohnung) ihrem Leben Kontinuität und machen Veränderungen im Selbstkonzept weniger dringend. Hinzu kommt, dass Kinder oft eine Quelle von Lebensmut und emotionaler Unterstützung sind. Vor allem eine positive Mutter-Kind-Beziehung lässt die Trennung leichter ertragen und bewältigen. Allerdings besteht in dieser Situation die Gefahr, dass Mütter ihre ganze Liebe auf die Kinder übertragen oder sich auf sie konzentrieren, um die innere Leere zu füllen. Vor allem Mütter, die selbst Trennungen oder Abwesenheiten von Elternteilen in ihrer Kindheit erlebt haben, reagieren oft auf den Partnerverlust mit einem überängstlichen, anklammernden oder überbehütenden Erziehungsverhalten (Langenmayr 1987). So kommt es leicht zur Ausbildung symbiotischer Beziehungen. Manchmal werden Kinder auch zu Ersatzpartnern gemacht und abhängig gehalten, weil sie als Vertraute oder Gesprächspartner benötigt werden.

In anderen Fällen kommt es zur Vernachlässigung der Kinder, zu mangelnder Verhaltenskontrolle oder zur Ausbildung eines inkonsistenten Erziehungsstils. Hierfür kann es viele Ursachen geben:

  1. Die Mutter ist wieder erwerbstätig geworden oder hat eine neue Stelle angetreten. Nun hat sie weniger Zeit für ihre Kinder, musste sie plötzlich in einer Krippe, einer Tagesstätte oder einem Hort unterbringen. Sie ist durch all die Umstellungen überlastet und gestresst, hat weniger Geduld mit ihren Kindern und reagiert häufiger mit körperlicher Züchtigung.
  2. Die Mutter ist so sehr mit sich selbst und den aus der Trennung resultierenden Problemen beschäftigt, dass sie die Bedürfnisse ihrer Kinder nach Zuneigung, Liebe, Ermutigung und so weiter nicht erfüllt. Dieses gilt besonders für den Fall, dass sie depressiv geworden ist oder unter psychischen Störungen leidet. In all diesen Fällen wird oft auch ein älteres Kind parentifiziert: Es übernimmt einen mehr oder minder großen Anteil an der Hausarbeit und der Erziehung jüngerer Geschwister.

Bei einer amerikanischen Studie über 36 Jungen und 36 Mädchen aus Scheidungsfamilien (Hetherington, Cox und Cox 1982) wurde festgestellt, dass ihre Mütter weniger Gespräche mit ihnen in der Zeit nach der Trennung führten, weniger gut mit ihnen kommunizierten, weniger von ihnen verlangten und weniger Zuneigung zeigten als Mütter aus vollständigen Familien (Vergleichsgruppe). Vor allem fielen die hohe Rate und lange Dauer von negativen Interaktionen zwischen Müttern und Söhnen auf. Diese wurden auch häufiger bestraft als Töchter. Mädchen erhielten mehr Zuwendung und Unterstützung, wurden aber auch häufiger als Vertraute überfordert.

Viele Mütter erwarten, dass sich ihre Kinder nach der Trennung normal weiterentwickeln. Sie machen sich wenig Gedanken über deren Gefühlsreaktionen oder „übersehen“ sie. So ergab eine Untersuchung über 71 schottische Eltern und ihre Kinder (Mitchell 1985), dass fast zwei Drittel der Kinder unter der Trennung litten – aber dass weniger als ein Drittel der Eltern dies bemerkten. Viele Kinder erfahren in dieser Krisensituation also keine Unterstützung seitens ihrer Mütter. In anderen Fällen machen sich diese aber große Sorgen um ihr Wohlergehen. Dazu trägt die öffentliche Meinung bei, die in den Kindern die Hauptleidtragenden von Trennung und Scheidung sieht. Auch beobachtet die soziale Umwelt Alleinerziehende aufmerksamer, mischen sich Lehrer und Jugendamtsmitarbeiter häufiger in ihre Erziehung ein. So haben manche Mütter starke Schuldgefühle gegenüber ihren Kindern, beobachten sie genau hinsichtlich ihrer Reaktionen auf die Trennung und versuchen, negative Folgen zu kompensieren. Oft möchten sie auch perfekte Eltern sein, um negative Selbstwertgefühle auszugleichen, oder um ihre Stärken gegenüber dem ehemaligen Partner herauszustellen. Für die Mütter ist es jedoch besonders belastend, wenn ihre Kinder verhaltensauffällig werden. Sie fühlen sich dann inkompetent, entwickeln Ängste oder werden depressiv.

Vor allem bei kleineren Kindern wird der Einfluss des abwesenden Elternteils von dem anwesenden bestimmt. Wenn beispielsweise Mütter das Ende ihrer Ehe akzeptieren, die elterlichen Rechte ihrer ehemaligen Partner anerkennen und Besuche ihrer Kinder bei ihnen als Zeiten der Entspannung, der Muße, der Selbstverwirklichung oder der Pflege neuer Beziehungen definieren, fördern sie oft den Kontakt. In anderen Fällen verbieten sie ihren Kindern, Gefühle des Schmerzes über die Abwesenheit des Vaters zu äußern. Sie versuchen, Besuche zu unterbinden, indem sie besonders attraktive Alternativen anbieten oder Fragen stellen wie „Du willst doch nicht wirklich Vater treffen wollen?“ Vielfach erwarten sie, dass die Kinder ihre Partei ergreifen, die Trennung gutheißen und den Vater für diese verantwortlich machen. Dabei können sie auf das menschliche Bedürfnis zurückgreifen, bei tiefgreifenden Entscheidungen – wie der Trennung – die Schuldfrage zu klären. Selbst wenn man im Scheidungsrecht vom Schuldprinzip abgerückt ist, gilt nämlich weiterhin die Beobachtung: „Ich bin jedoch noch keinem Mann, keiner Frau und keinem Kind begegnet, die emotional eine Scheidung ohne Schuldzuweisung akzeptiert hätten“ (Wallerstein und Blakeslee 1989, S. 29). In vielen Fällen wird auch die Abneigung von (kleineren) Kindern gegenüber dem Vater von der Mutter induziert oder durch psychischen Druck, Drohungen, Lügen, Verleumdungen oder das Zeigen von Missbilligung und Abneigung bei Fragen nach dem Vater erreicht.

Es ist nicht verwunderlich, dass Kinder unter diesen Umständen intensive Loyalitätskonflikte erleben. Sie lieben in der Regel beide Elternteile, wollen es beiden recht machen und die Beziehung zu beiden aufrechterhalten. Nun sollen sie sich unter starkem Druck für einen entscheiden. Einige Kinder können diese psychischen Konflikte offen ausdrücken und mit vertrauten Personen besprechen, während andere sie nicht zeigen dürfen und in ihrem Innern lösen müssen. Jugendliche können sich auch von den Erwartungen ihrer Eltern aufgrund ihrer größeren Selbständigkeit distanzieren: Sie setzen die Beziehung zum Vater gegen den Widerstand der Mutter fort, fällen unabhängig Urteile über das Verhalten ihrer Eltern, widersetzen sich, wenn sie in Konflikte hineingezogen werden sollen, und zeigen offen ihre Wut, wenn ein Elternteil den anderen schlecht macht. Zudem entziehen manche sich ihren Eltern, indem sie sich in Hobbys stürzen, viel mit Gleichaltrigen unternehmen und sich frühzeitig von daheim ablösen.

Während viele Kinder die Beziehung zu beiden Elternteilen fortsetzen (können), entscheiden sich andere aus folgenden Gründen für einen von beiden:

  1. Kleinere Kinder sind noch stark von ihrer Mutter abhängig, können sich weniger ihrer Einflussnahme entziehen und ergreifen deshalb ihre Partei.
  2. Bei jüngeren Kindern wird mit der Trennung der Mythos von den perfekten Eltern zerstört. Oft lenken sie die aus dieser Erfahrung resultierenden Gefühle wie Wut und Enttäuschung auf den abwesenden Elternteil und lehnen ihn ab – vor allem wenn ein derartiges Verhalten von dem Anwesenden gefördert wird.
  3. Manche Kinder solidarisieren sich mit der Mutter, weil sie bei ihr leben, ihre Probleme hautnah erleben und sich gedrängt fühlen, Empathie zu zeigen und emotionale Unterstützung zu geben.
  4. Einige Kinder wählen den schwächeren oder unter größeren Problemen leidenden Elternteil, da dieser eher ihrer Hilfe bedarf.
  5. Jüngere Kinder wenden sich manchmal dem Vater zu, weil dieser sie bei Besuchen verwöhnt, mit Geschenken überschüttet und weniger auf Gehorsam Wert legt. Das tägliche Zusammenleben mit der Mutter wirkt bei weitem weniger attraktiv, da sie Hausarbeiten zuteilt, die Schulaufgaben kontrolliert, auf Ordnung achtet und eher straft.
  6. Ältere Kinder ergreifen für einen Elternteil Partei aus der inneren Notwendigkeit heraus, die Frage nach Recht und Unrecht zu klären. Dabei mag jedoch auch ein Elternteil idealisiert werden. Das daraus resultierende Verhalten wird oft von diesem bestätigt und belohnt.

Viele Kinder übernehmen in der Trennungsphase bestimmte Rollen wie die des Bündnispartners, Vermittlers, Informanten, Nachrichtenkuriers oder Mitwissers von Geheimnissen – sofern sie diese nicht schon vorher innegehabt haben. Sie genießen anfangs die mit der jeweiligen Rolle verbundene Macht, merken vielfach aber auch vorbewusst, dass sie ausgebeutet werden. Rollen wie die des Ersatzpartners oder parentifizierten Kindes können die kindliche Entwicklung beschleunigen, überfordern es jedoch häufig und verhindern die Teilhabe an altersentsprechenden Aktivitäten. Kinder, die vor der Trennung mit dem Vater verbündet waren, werden nun oft zu Sündenböcken gemacht oder erhalten weniger Unterstützung.

Vor allem jüngere Kinder zeigen in der Trennungsphase ein anklammerndes Verhalten. Sie fühlen sich, trotz Versicherung des Gegenteils, vom Vater verlassen. Nun haben sie Angst, dass auch die Mutter sie im Stich lassen könnte – wobei diese Angst oft noch dadurch geschürt wird, dass die Mutter erwerbstätig wird und weniger Zeit als zuvor für ihre Kinder hat. Oft müssen sie auch ihre Liebe und Zuneigung mit Liebhabern oder neuen Interessen teilen. Unter solchen Umständen werden manche Kinder verhaltensauffällig: Sie wollen die Aufmerksamkeit ihrer Mütter auf sich lenken und deren Liebe testen. Dabei erleben sie auch negative Reaktionen als Verstärkung – als Beweis, dass sich diese noch um sie kümmern. Einige Kinder werden in der Trennungsphase ihren Müttern (oder anderen Personen) gegenüber aggressiv, weil sie nur auf diese Weise ihre Wut auf den abwesenden Vater ausdrücken können oder weil sie Angst vor zu großer Nähe haben (wie der Vereinnahmung in einer symbiotischen Beziehung). Manche Kinder regredieren aber auch, um Gratifikationen aus früheren Entwicklungsphasen wiederzuerlangen oder weil sie Angst vor neuen Anforderungen haben. Diese Reaktionen werden oft durch ein überbehütetes und verwöhnendes Verhalten der Mütter gefördert. Haben Kinder Angst um die psychische Gesundheit ihrer Mütter oder befürchten sie, dass diese Selbstmord begehen könnten, bleiben sie manchmal unter fadenscheinigen Gründen daheim – ihr Verhalten erinnert dann an eine Schulphobie.

Besonders stark verändert sich die Beziehung zwischen Kindern und Vätern (den abwesenden Elternteilen). Zumeist treffen sie einander nur am Wochenende. Viele Väter fühlen sich entwurzelt, erleben die Trennung von ihren Kindern als traumatisch, entwickeln Schuldgefühle ihnen gegenüber und glauben, als Väter versagt zu haben. Auch verlieren sie an Selbstachtung, da sie nicht mehr den Status eines verantwortlichen Familienmannes innehaben. Selbst Väter, die sich vor der Trennung kaum um ihre Kinder gekümmert haben, vermissen oft zu ihrer eigenen Überraschung deren tägliche Nähe. Sie bereuen, dass sie bisher so wenig mit ihnen unternomme

Wenn der Vater fehlt

Wenn der Vater fehlt

Matthias Franz

Viele Kinder wachsen heute weitgehend ohne männliche Bezugsperson auf. Väter sind in den frühen Lebensjahren eines Kindes oft nur wenig präsent, der Männermangel in Kindergärten und Grundschulen ist offensichtlich. Der Anteil der in Einelternfamilien aufwachsenden Kinder hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten auf knapp 20 Prozent verdreifacht. Die neue Vaterlosigkeit hat Folgen – für die Entwicklung der Kinder, aber auch für die betroffenen Mütter.

Kalifornien hat gewählt. Arnold Schwarzenegger tritt nicht nur zum mittlerweile dritten Mal als Terminator an, er erfüllt als Gubernator auch außerhalb der Kinos die Bedürfnisse vieler seiner Wähler nach einem starken (Landes)Vater. Dass ein solcher medialer Kurzschluss in die politische Wirklichkeit hinein möglich ist, ist sicher nicht nur ökonomischen und machtpolitischen Konstellationen oder der effizienten Karriereplanung Schwarzeneggers zuzuschreiben. Es lässt auch auf mächtige, kollektive Fantasien und Bedürftigkeiten schließen, die in den Schwarzeneggerfilmen bedient werden. Auch andere Filmproduzenten haben mit epischen Mehrteilern wie Krieg der Sterne oder Matrix die unbewusste, kindliche, vorwiegend männliche Sehnsucht nach einem idealisierten Vater kommerziell höchst erfolgreich abgeschöpft.

In all diesen Filmen erfüllen mediale Platzhalter und Projektionsfiguren als „Helden“ latente, auf einen starken und fürsorglichen Vater bezogene Bindungswünsche: Jungen oder junge Männer, die ihren Vater verloren haben oder erst gar keinen hatten („John Connor“, „Luke Skywalker“, „Neo“), treten gegen eine allgegenwärtige, parasitäre, umfassend mächtige Maschinenwelt oder das Böse schlechthin an. Diese traumatischen Ausgangsszenarien sprechen unbewusste Ängste an, die am ehesten einer hilflosen kleinkindlichen Erlebnisperspektive zugeordnet werden können. Der Umgang mit diesen Ängsten und deren Überwindung mithilfe eines rettenden Dritten ist das heimliche Thema dieser Filme. Einfühlsame, starke väterliche Förderer helfen den Jungen dabei, sich und die Welt vor der endgültigen Beherrschung durch die scheinbar allmächtigen Maschinen des Bösen zu retten und selbst dabei zum Mann zu werden. Diese Vaterfiguren zeichnen sich neben ihrer männlichen Stärke, die sich im Kampf gegen „das Böse“ durchaus auch einmal zur Brutalität steigert, durch Weisheit, Bereitschaft zur Anleitung, Einfühlung sowie brillante technische Fähigkeiten aus. Sie stellen so den Sieg über die mächtigen Verfolger und die Initiation des Jungen in die Männerwelt sicher.

Diese Filme spiegeln die unbewussten Beziehungswünsche vieler Menschen im Alltag und verweisen auf ein väterliches Defizit in unserer Gesellschaft. Insbesondere männliche Kinogänger erkennen in diesen Plots ihre Ängste und ihre Vaterbedürftigkeit wieder. Denn in der Tat spielt sich, was die Präsenz der Väter angeht, ein stilles Drama beachtlichen Ausmaßes bei uns ab.

Das Fehlen der Väter ist dabei kein wirklich neues Phänomen. Infolge des Zweiten Weltkrieges und der zivilisatorischen Katastrophe der Naziherrschaft starben allein fast fünf Millionen deutsche Soldaten. Sechs Jahre lang kamen jeden Tag 2500 Männer – Brüder, Söhne, Ehemänner und eben auch Väter – ums Leben. Sechs Jahre lang starb also jeden Tag eine ähnliche Anzahl Menschen wie am 11. September 2001 in New York. Darüber hinaus befanden sich Millionen deutscher Soldaten in Kriegsgefangenschaft, und die, die zurückkehrten, waren häufig so schwer traumatisiert, dass sie in ihren Familien über Jahre hinweg Fremde blieben. Für ein Viertel der Kinder der Kriegs- und Nachkriegszeit in Deutschland bedeutete dies eine Kindheit ohne Vater, ungezählte andere hatten eine gestörte Beziehung zu einem kriegstraumatisierten Vater. Sönke Wortmanns Film Das Wunder von Bern, der diese Problematik thematisiert, treibt nicht von ungefähr unserem Bundeskanzler und vielen anderen „gestandenen“ Männern die Tränen in die Augen.

Die psychischen Folgen der Vaterlosigkeit sind nur in Umrissen bekannt und wurden in Deutschland kaum systematisch erforscht. Das biografische Echo dieser traumatischen Erfahrung erfährt erst in allerletzter Zeit verstärktes wissenschaftliches Interesse. Eine psychosomatisch-epidemiologische Langzeitstudie an der Mannheimer Normalbevölkerung, in der auch der Langzeitverlauf psychischer und psychosomatischer Erkrankungen untersucht wurde, erbrachte als wesentliches Ergebnis, dass die „Kinder des Krieges“ (die Geburtsjahrgänge 1935 und 1945), denen in den ersten sechs Lebensjahren der Kontakt zum Vater fehlte, noch über 50 Jahre später ein deutlich höheres Risiko für psychische Störungen aufwiesen als die Kriegskinder derselben Jahrgänge, die einen konstanten Kontakt zum Vater hatten. Aus psychoanalytischer Sicht verdeutlicht Hartmut Radebold in seinem Buch Abwesende Väter. Folgen der Kriegskindheit in Psychoanalysen diese Zusammenhänge anhand eindrucksvoller Fallgeschichten.

In Deutschland herrscht seit 1945 Frieden. Dennoch erleben sich viele Kinder als vaterlos. Der Vater ist in den frühen Lebensjahren eines Kindes nur wenig präsent. Es erlebt in vielen Fällen fast ausschließlich Frauen in seiner direkten Umgebung: Der Männermangel in Kindergärten, aber auch in Grundschulen ist offensichtlich und besonders für viele Jungen problematisch. Die Väter sind berufsbedingt abwesend. Haben sie ihre Arbeit verloren, fühlen sie sich häufig sozial abgewertet und stehen aufgrund ihrer Probleme ihren Kindern nur eingeschränkt als einfühlsamer Entwicklungspartner zur Verfügung. Trotz öffentlich eingeforderter und propagierter neuer Rollenleitbilder ist vielen in ihrem Rollenbild und Selbstverständnis verunsicherten Männern nicht klar, wie wichtig ihre spürbare Gegenwart für eine gesunde Entwicklung ihrer Kinder ist. Untersuchungen zeigen, dass Väter – unabhängig davon, ob die Mütter zu Hause oder berufstätig sind – ihre Kinder seltener versorgen und betreuen als Mütter. Zwar engagieren sich Männer heute mehr für ihre Kinder als frühere Vätergenerationen, doch die Elternzeit nach der Geburt eines Kindes wird nach wie vor extrem selten von Vätern in Anspruch genommen.

Dabei ist der Vater für die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung. Nach der Geburt des Kindes fällt es einer Frau, die von ihrem Mann entlastet wird, leichter, eine sichere Bindung zum Säugling aufzubauen. Wie die Mutter kann auch der Vater auf die Entwicklungs- und Bindungsbedürfnisse des Kindes einfühlsam und fürsorglich eingehen.

Im Alter von ein bis zwei Jahren, wenn das Kind beginnt, sich aus der Abhängigkeit der frühen Mutter-Kind-Beziehung zu lösen, bietet ein einfühlsamer Vater dem Kind, das zwischen Selbständigkeitsbestrebungen und Verlustängsten hin- und hergerissen wird, eine stabile Beziehungsalternative zur Mutter.

Beim anschließend anstehenden Reifungsschritt – im Alter zwischen etwa drei und sechs Jahren – ist der Vater als männliche Identifikationsfigur und als Liebespartner der Mutter vor allem für die Entwicklung einer stabilen, selbstbewussten sexuellen Identität des Jungen von prägender Bedeutung. Aber auch für die Entwicklung und Festigung der sexuellen Identität des Mädchens ist der Vater von hoher Wichtigkeit.

Die Bedeutung des Vaters für die kindliche Entwicklung und die psychische Gesundheit seiner Kinder im späteren Erwachsenenleben wird auch durch Langzeitstudien bestätigt. Der kanadische Epidemiologe Paul R. Amato oder auch die Psychologin Judith S. Wallerstein haben in ihren Untersuchungen für Kinder aus Scheidungsfamilien unter anderem ein erhöhtes Risiko für spätere Beziehungskonflikte, Scheidung der eigenen Ehe und eine allgemein verringerte Lebenszufriedenheit festgestellt. In Fällen, in denen vor einer Trennung oder Scheidung in der elterlichen Beziehung ein chronifizierter, massiv ausgetragener Partnerkonflikt bestand, scheint allerdings die andauernd konflikthafte Elternbeziehung und weniger die Trennung vom Vater einen negativen Einfluss auf die spätere Entwicklung des Kindes zu haben.

Viele Kinder wachsen heute also mit einem Defizit an emotional spürbarer Väterlichkeit auf. In besonderer Weise verdichtet sich diese Problematik in der wachsenden Anzahl von Einelternfamilien. Derzeit leben in Deutschland etwa drei Millionen Alleinerziehende mit Kindern – über 80 Prozent von ihnen sind Mütter. 41 Prozent der alleinerziehenden Mütter sind geschieden, 15 Prozent leben vom Partner getrennt, 37 Prozent sind ledig. Der Anteil der in Einelternfamilien aufwachsenden Kinder hat sich in Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten auf heute knapp 20 Prozent verdreifacht. In manchen urbanen Zentren der USA ist die Quote bereits erheblich höher.

Alleinerziehende Mütter sind mehrfachen Belastungen ausgesetzt. Armut, soziale Randständigkeit, Rollenbrüche und beeinträchtigte Bildungs- und Berufsmöglichkeiten sind bei alleinerziehenden Müttern deutlich häufiger als bei verheirateten. Auch weiterbestehende Konflikte mit dem Expartner, Selbstzweifel und – oft nicht artikulierbare – Schuldgefühle dem Kind gegenüber stellen zusammen mit den wirtschaftlichen Unsicherheiten häufig eine Überforderung der alleinerziehenden Mütter dar und führen zu einer deutlich überdurchschnittlichen psychischen und psychosomatischen Belastung. In Studien aus dem angelsächsischen Sprachraum und aus Skandinavien wurde bei alleinerziehenden Müttern, zum Teil unabhängig vom sozioökonomischen Status, ein erhöhtes Risiko für verschiedene – auch körperliche – Erkrankungen sowie psychische und psychosoziale Beeinträchtigungen und beispielsweise auch ein erhöhtes Risiko für depressive Störungen und Suchtprobleme gefunden. Dies ist in vielen Fällen unabhängig von der Höhe der Sozialleistungen für alleinerziehende Mütter.

In einer eigenen Untersuchung, der Düsseldorfer Alleinerziehendenstudie, wurden über 500 alleinerziehende Mütter und ihre Kinder im Rahmen der Schuleignungsuntersuchungen befragt. Auch hier war der Sozialstatus (Einkommen, Bildung, Sozialhilfe) der alleinerziehenden Mütter deutlich erniedrigt, die psychische Belastung – besonders die Depressivität – im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant erhöht. Besonders belastet waren alleinerziehende Mütter, die ihr Kind ohne die Unterstützung einer anderen Person großzogen, sowie jüngere und arme alleinerziehende Mütter.

Aufgrund dieser Mehrfachbelastungen sind alleinerziehende Mütter oft selbst unterstützungsbedürftig und nicht in der Lage, ihrem Kind die notwendige Zuwendung zu geben. Die chronische Überforderung des einen und das Fehlen des anderen Elternteils kann sich negativ auf die Entwicklung der betroffenen Kinder auswirken. In zahlreichen internationalen Studien wurden bei Kindern alleinerziehender Mütter vermehrt Schulleistungsstörungen, ein beeinträchtigtes Selbstwerterleben, aggressive Verhaltensstörungen (Jungen) und sozialer Rückzug sowie Frühschwangerschaften (Mädchen) beschrieben. In der Düsseldorfer Studie zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen der Depressivität alleinerziehender Mütter und Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder. Besonders Jungen scheinen mit dem Fehlen des Vaters nicht gut zurechtzukommen. Sie litten deutlich stärker unter Verhaltensstörungen als Jungen aus Zweielternfamilien. In einer aktuellen schwedischen Untersuchung an einer Stichprobe von über einer Million Kindern wurde – auch unabhängig vom Sozialstatus der Eltern – bei Kindern aus Einelternfamilien ein mehrfach erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen, Suizidalität, Alkohol- und Drogenkonsum sowie bei Jungen auch eine erhöhte Sterblichkeit gefunden.

Die vorliegenden Untersuchungen lassen sicher keine Generalisierungen zu. Viele alleinerziehende Frauen kommen mit ihrer Situation gut zurecht. Aber die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes wird – trotz der genannten Befunde – noch zu wenig erkannt.

Wie können Familien und Kinder, denen die Väter abhanden zu kommen drohen, unterstützt werden?

Der Mangel an Männern in Kindergarten und Grundschule ist für die Identifikationsbedürfnisse und die männliche Rollenfindung besonders von vaterlos aufwachsenden Jungen und wahrscheinlich auch für deren späteres Frauenbild von Nachteil. Die eingangs genannten, medial präsentierten, häufig destruktiven Männerbilder können dieses Defizit sicher nicht ausgleichen. Von daher würde eine stärkere personale Präsenz männlicher Erzieher und Lehrer in Kindergärten und Grundschulen eine sichere männliche Rollenfindung fördern.

Darüber hinaus sollten junge Eltern fundierte Informations- und Übungsangebote erhalten und mit den grundlegenden Bindungs- und Entwicklungsbedürfnissen ihrer Kinder intensiv vertraut gemacht werden („Elternschule“). Dies könnte beispielsweise bereits in Geburtskliniken routinemäßig für besonders belastete Eltern angeboten werden.

Jugendliche und junge Erwachsene sollten in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen aufgeklärt werden über mögliche Konfliktpotenziale zwischen Männern und Frauen, unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse sowie über die enorme Langzeitverantwortung von Eltern. Entsprechende Unterrichtseinheiten („Beziehungslehre“) müssten in Lehrplänen und Lehrerweiterbildungsmaßnahmen ebenso berücksichtigt werden.

Trennungswillige Paare sollten sich obligatorisch im Interesse des Kindes beraten lassen, entsprechende Angebote existieren bereits im Rahmen der Mediation. Das elterliche Sorgerecht sollte im Scheidungsfalle nach Möglichkeit gemeinsam beiden Eltern zugesprochen werden. Spezielle Beratungs- und Hilfsangebote müssten stark belasteten Alleinerziehenden und ihren Kindern aktiv angeboten und gegebenenfalls mit materieller Unterstützung verknüpft werden. Diese Mütter und ihre Kinder könnten bereits in Kindergärten, im Rahmen kinderärztlicher Routineuntersuchungen oder in der Schuleignungsuntersuchung identifiziert werden und spezielle Beratungs- und Unterstützungsangebote erhalten. Im Rahmen der Düsseldorfer Alleinerziehendenstudie wurde ein entsprechendes Gruppenprogramm zur Unterstützung alleinerziehender Mütter erfolgreich erprobt. Es wird nach wissenschaftlicher Evaluation nun erstmalig in den Kindergärten der Stadt eingeführt.

Darüber hinaus erscheint im Bedarfsfall eine Stabilisierung des sozialen Umfeldes – durch eine weitere zuverlässige Bezugsperson (zum Beispiel ehrenamtlich tätige, qualifizierte Frauen in „Großmutterfunktion“) für das Kind und die alleinerziehende Mutter ebenfalls sinnvoll.
Die breite Einführung derartiger Unterstützungsstrukturen bedeutet natürlich eine gesellschaftliche Neuausrichtung am Kindeswohl. Und sofort stellt sich die Frage nach der Finanzierbarkeit und Rendite. In einer Gesellschaft, in der die Notwendigkeit fester zwischenmenschlicher Bindungen als Voraussetzung jeglicher Produktivität immer weniger erkannt wird, verlieren die Menschen aber langfristig gerade die persönlichen Beziehungen, die sie brauchen, um zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen seelisch ertragen zu können. Der Schritt von der Flexibilisierung identitätsstiftender Bezüge hin zur sozialen Desintegration ist dann nicht mehr sehr groß.

Deutschland: 01725365075

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